Die Nachbarn - Es wird schon werden

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Die Nachbarn - Es wird schon werden | story.one

Das Grundstück des Doppelhauses liegt so, dass ein Teil der Hauptstraße und ein Teil der Zufahrtsstraße zu meinem Wohnhaus entlang führt. Der Teil an der Zufahrtsstraße ist von hohen Hecken gesäumt, doch es fehlt ein Zaun, um die unerzogene kleine Töle davon abzuhalten, sich kläffend auf vorbeigehende Passanten zu stürzen.

Mein Hund ist gerade einmal ein paar Monate alt und weiß nicht, was er mit dem bösen Kläffer tun soll, der plötzlich hinter der Hecke hervorspringt und uns bedroht. Es liegt an mir, die Töle durch Schreie und drohende Gebärden wegzuscheuchen und darauf zu warten, dass SIE kommt und ihren Hund wegzerrt. Eine Entschuldigung kommt von ihr nicht, nur genervte Blicke, die von mir in gleicher Weise erwidert werden.

Auch die anderen Nachbarn sind vom Gehabe der Beiden genervt. Einige der Hundebesitzer meiden bereits den Weg am Doppelhaus vorbei, was mir nicht möglich ist, weil es für mich nur diesen einen Weg, direkt der Gartenhecke entlang, zur Straße hinaus, gibt. Es wird schon werden, rede ich mir immer wieder ein, sie sind ja nur ab und an da, beruhige ich mich selbst.

Die Monate vergehen, die Handwerker geben sich immer noch die Klinke in die Hand, die Beiden sind zwei oder drei Mal pro Woche vor Ort, wobei ich ihnen selten begegne. Zufrieden stelle ich fest, dass nun um das gesamte Grundstück ein stabiler Gartenzaun führt, der die kläffende Töle örtlich in seine Schranken weist. Doch die ersehnte Entspannung stellt sich nicht ein, denn der kleine böse Hund beginnt nun damit sein aggressives Verhalten auszubaun. Sobald ich mit meinem Hund vorbei gehe, rennt er wild kläffend im Garten herum und bedroht uns durch den Zaun hindurch. Massimo ist nun ein gutes Jahr alt, gutmütig und gehorsam trottet er neben mir her, doch immer öfter schielt er genervt zur blöden Töle hinüber.

Einmal, die Töle flippt gerade wieder total aus, stehen beide Nachbarn vor dem Haus. ER wie immer Zigarre rauchend, SIE stumpf und überheblich dreinschauend, keiner von Beiden tut etwas. Ich spreche sie an, bitte sie ihren Hund zu mäßigen, worauf ein Schwall Beleidigungen, aus einer der untersten Schubladen entnommen, von ihr zurückkommt. Es sei ihr Besitz, auf dem sich ihr Hund befinde, da kann sie tun und lassen, was sie will. Ich solle halt schneller vorbei gehen, ihr Hund kann ja eh nicht durch den Zaun raus. Perplex schaue ich SIE an, in ihr verlebtes Gesicht, das deutliche Züge von Alkoholismus zeigt, von dem der teure Firlefanz, in den sie gehüllt ist, nicht abzulenken vermag. ER steht neben ihr, abwesend, nur seine Hand mit der Zigarre hebt sich immer wieder langsam zum Mund und senkt sich wieder.

Ich gehe meine Wege, genervt, verärgert, lasse die bösen Worte in meinem Kopf ihre Purzelbäume schlagen, bis der Ärger sich endlich legt, stattdessen vernünftige Gedanken den Platz in meinem Hirn einnehmen.

Immer mit der Ruhe, versuche ich mich von meiner Palme runterzubringen, es wird sich schon weisen, nur nicht reinsteigern. Ein frommer Wunsch.

© Lebensliebhaberin 07.03.2020