Die Stadt bei Nacht

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Die Stadt bei Nacht | story.one

Wenn sich Dunkelheit über das Land legt und das Schwarz der Nacht durch verschiedene Lichtquellen durchbrochen wird, dann zeigt sich die Stadt auf ganz andere, nicht minder faszinierende Weise.

Verschlafene Gassen, eingebettet in das orange Licht alter Laternen, deren Lichtkegel sanft durch die Dunkelheit führen und für kurze Momente so manche Schattengestalten entstehen lassen, verströmen einen ganz besonderen Flair.

Kalt wirkende Häuser, in denen durch das eine oder andere Fenster der zarte Schein warmen Lichts zu sehen ist, verändern ihren Charakter, strahlen Lebendigkeit und Wärme aus.

Ein Spaziergang am sanft erhellten Weg durch den durchwegs dunklen Park ist, als würde man einem lebendigen Licht durch Niemandsland folgen.

Die am Festungsberg thronende Burg, dessen viele kleine Fenster rundherum sanft beleuchtet sind, lassen die Mächtigkeit des alten Gebäudes auf ganz andere Art erkennen.

Es ist das Zusammenspiel zwischen Dunkelheit und Licht, das richtige Verhältnis zwischen hell und dunkel, das diesen ganz speziellen Flair entstehen lässt. Es ist die Dunkelheit, die überwiegt und immer nur abschnittweise von sanften Lichtern durchbrochen wird. Lichter, die lebendig und warm durch das Schwarz führen.

Die Nacht verändert auch den Charakter der Stadt. Tagsüber modern und pulsierend, scheint sie nachts ihr wahres Alter zu zeigen. An manchen Ecken ist dann etwas aus längst vergangenen Tagen zu spüren. Da scheint eine alte Laterne, in einer schmalen Gasse, vor einem Altstadthaus plötzlich einer ganz anderen Zeit zu entspringen. Da ist es dann, als würde die Stadt Geheimnisse preisgeben, die bei Tageslicht niemals zu erkennen sind.

Es gibt auch noch Teile der Stadt, die wirklich ganz im Dunkeln liegen. Da ist nur Schwarz, nichts zu erkennen, nichts zu unterscheiden. Solche Orte lassen erst erkennen, wie leblos es ohne Licht ist und wie sehr eine wenig Licht Lebendigkeit in die Dunkelheit bringt.

Es ist ein ganz spezielles Erlebnis durch die Nacht zu spazieren, die vielen Eindrücke auf sich wirken zu lassen und die Bedeutung des Licht als Lebensspender auf diese Weise zu erkennen. Ein Erlebnis, das mit jedem Mal ganz neue Eindrücke und Erkenntnisse bringen kann.

Ich, als Morgenmensch, liebe die Stadt in der Dunkelheit, wenn sich noch ein wenig Leben regt hinter den warm beleuchteten Fenstern, wenn ich den Flair vergangener Zeiten spüren und so manchen optischen Eindruck davon bekommen kann, wie es vielleicht gewesen sein könnte, vor langer Zeit.

© Lebensliebhaberin