Gedankensammlung

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Gedankensammlung | story.one

Acht Minuten nach fünf in der Früh. Die Morgendämmerung kämpft sich durch die Dunkelheit. Ich runzle die Stirn. Seit wann ist es um fünf Uhr Früh nicht mehr hell, frag ich mich. Diese Veränderung ist total an mir vorbei gegangen. So wie die ersten sieben Monate dieses Jahres fast erinnerungslos an mir vorbeigeschlichen sind.

August. Es ist wahrhaftig August. Das Jahr hat definitiv seine Mitte überschritten. Mein Apfelbaum schmeißt bereits die ersten Blätter ab. Meine Hainbuchen haben begonnen ihr herbstliches Blätterkleid anzulegen. Und es ist heiß. Richtig heiß. Die Nächte bieten keine abkühlende Erholung, die Tage sind spätestens ab Mittag kaum zu ertragen.

Wann immer geht, bunkere ich mich ab spätestens Mittag Zuhause ein. Die abgedunkelte Wohnung ist herrlich kühl, doch mit der Zeit kommt dann doch immer Gruftstimmung auf. Nützt nix. Ich verbringe die Zurückgezogenheit mit lesen und schlafen. Hund und Katz teilen mein gruftiges Vergnügen.

In dieser Hitzephase erwacht allerdings auch immer meine Einkaufslust. Da flaniere ich dann durch die halb leeren, herrlich kühl gehaltenen Einkaufszentren. Ungestört stöbere ich die vielen Angebote durch, ohne das Rempeln und Drängeln, das normalerweise herrscht.

Gestern hab ich in meinem Lieblingsschuhladen sieben Paar Sommerschuhe erstanden. Seit letzten Sommer denke ich daran, meine Schuhkollektion endlich wieder aufzufrischen. Nie hatte ich Zeit. Gestern dann, bei 34 Grad Außentemperatur, wühlte ich mich genussvoll durch die Abverkaufsware der Saison und wurde mehr als fündig.

Heute packte ich den Kauf eines neuen Navigationsgeräts an. Mein altes Teil, schon fast 10 Jahre am Buckel, schafft es nicht mehr länger als eine viertel Stunde aktiv zu sein. Dann schaltet es sich einfach aus. Auch diesen Kauf schieb ich schon länger vor mir her. Doch jetzt, angesichts der erfreulichen Tatsache, dass ich bald ein paar Tage im wunderschönen, für mich unbekannten Weinviertel verbringen werde, war es Zeit dafür nachzurüsten.

Derart hitzebedingt eingesperrt sitze ich auch wieder mehr vorm Fernseher. Als Kind konnte man mich kaum von der Glotze wegkriegen. Ich schaute sogar das Sendebild an, damals schon in Farbe, und hörte gespannt der Melodie zu, die gleichzeitig abgespielt wurde. Je älter ich werde, desto weniger schaue ich fern, weil das Fernsehprogramm wirklich kaum was für mich bietet. Alle alten Filme, wirklich alle, habe ich gesehen. Das meiste der neuen Produktionen finde ich so spannend wie stinkende Socken. Nur ab und an ist da etwas, das mir taugt. An Hitzetagen hingegen lege ich meine kritische Haltung ab. Da glotze ich mich dann durch die Programme, erstaunt über das, was es da alles zu sehen gibt. Bis ich vollgedröhnt bin und wieder zu meinen Büchern zurückkehre.

Ahhhhh ... einundzwanzig Uhr elf ... der angekündigte und von mir schon sehnlichst erwartete Regen kommt. Hoffentlich ohne Unwetter, dafür mit guten 10 Grad weniger im Gepäck.

© Lebensliebhaberin 01.08.2020