Im D-Zug: Das zweite Jahr poltert zu Ende

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Im D-Zug: Das zweite Jahr poltert zu Ende | story.one

Es war später Frühling geworden, die 2D ging dem ersehnten Schuljahresende entgegen. Die Stimmung war rauher geworden, was an der pubertären Phase der Schüler und der Reaktion der Professoren darauf lag. Außerdem trat mehr und mehr die Parallelklasse 2C in den Fokus der schlimmen Burschen und aufmüpfigen Mädchen.

Die Burschen und Mädchen der Parallelklassen waren immer schon der Meinung etwas besseres zu sein, wobei sich die Schüler der 2A und 2B erst gar nicht mit den 2Dlern abgaben. Sie ignorierten den lärmenden Haufen meist und wenn sie schon einmal herschauten, dann hatten sie nur verächtliche Blicke übrig. Mit der 2C war das schon etwas anderes, deren Schüler waren vom schulischen Niveau nur um ein Eitzerl besser als die der 2D, von der menschlichen Entwicklung her waren sie gleich blöd und ein ganzes Stück eingebildeter.

Interessanterweise kamen die schlimmen Burschen der 2C und der 2D gar nicht so schlecht miteinander aus. Zwar frotzelten und sekkierten sie sich gegenseitig, aber nur selten kam es wirklich zu Handgreiflichkeiten. Bei den aufmüpfigen Mädchen sah das schon anders aus. Die Gruppe der 2C wurde von einem sehr schönen Mädchen angeführt, der alle Burschen zu Füßen lagen, dafür hatte sie sonst wirklich nichts zu bieten. Die anderen Mädchen rund um diese Prinzessin sonnten sich in derem Glanz, es galt als cool, wenn man dabei sein durfte. Die Fehde zwischen den Mädchengruppen der 2C und 2D wurde immer schwerer, gegen Ende des Schuljahres begann es sogar in Schlägereien auszuufern. Plusterten sich die schlimmen Burschen nur auf, so gingen die aufmüpfigen Mädchen mit vollen Karacho aufeinander los.

Die Professoren beobachteten dies mit Argusaugen und wurde jede aufkeimende Handgreiflichkeit im Keim erstickt. Worum es bei diesen Mädchenstreitereien eigentlich ging, das wusste niemand, nicht einmal die Mädchen selbst. Es entstand aus missgünstigen Blicken und blöden Bemerkungen und irgendwann entwickelte sich daraus ganz von selbst eine gegenseitig abwertende Haltung, die in der Hitze des emotionalen Gefechts immer wieder in Handgreiflichkeiten ausartete.

Sie beobachtete dies alles immer als Teil der Gruppe der aufmüpfigen Mädchen der 2D, selbst war sie weder an den verbalen noch an den handgreiflichen Auseinandersetzungen beteiligt. Sie mochte Streitereien nicht, Gewalt schon gar nicht, war doch das Umfeld ihres Lebens davon geprägt, weshalb sie wusste, wo das schlimmstenfalls hinführen konnte.

Durch dieses hormongesteuerte Chaos und der notwendigen Reaktion der Professoren darauf wurden die letzten Schulwochen der 2D wirklich anstrengend. Kaum ein Unterrichtstag, an dem es nicht mindestens zu einem Donnerwetter kam, Schüler wie Professoren sahen der nahenden Ferienzeit ungeduldig und genervt entgegen.

Am letzten Schultag waren alle bester Laune. Die Zeugnisse wurden ausgeteilt, es wurde viel gelacht und mit dem letzten Gong polterten alle in Richtung Sommerferien.

© Lebensliebhaberin 22.09.2019