Abseits

Endlich das vor langer Zeit gegebene Versprechen einlösend, landen wir in Maria Zell.

Üblicherweise steht zuerst ein Besuch der Kathedrale an. Es hatte gerade eine Messe begonnen, also dauerts es noch etwa eine dreiviertel Stunde - ich hätte doch vorher eine Toilette aufsuchen sollen.

Danach dränge ich nach draußen, zielstrebig, das nächste Gasthaus anpeilend. Oder gibts wo eine öffentliche Anlage ...

Seltsamerweise verflüchtigt sich das ursprünglich beinahe schmerzhaft aufgetretene Bedürfnis. Wie beim Zahnarzt, wo der Zahn aufhört zu schmerzen, wenn man dort ist.

So bummeln wir, meine Frau und ich, nebeneinander her und betrachten das alltägliche Geschehen in diesem netten Ort.

Da überrascht mich dieser urmenschliche Drang, unbedingt etwas Luft abzulassen. Zur Seite gehend, Abstand zu jedem menschlichen Wesen suchend, wähne ich mich alleine genug, und lasse umweltverachtend das ozonzerstörende Methan aus meinem Körper. Leider nicht ganz lautlos.

Meine Angetraute hatte sich in einem Textilladen verlaufen, was bekanntlich als tagesfüllend zu bewerten war.

Ein unweit mit seiner Begleiterin schlendender Herr so um die siebzig, sportlich - drahtig, offensichtlich noch mit bestem Gehörssinn gesegnet, sieht mich freundlich an, lächeld mir mit einem leichten Kopfnicken verständnisvoll zu und gratuliert mir - so habe ich es jedenfalls empfunden - mit den freundlichen Worten: "Was sein muss, muss sein!"

Ich weiß nicht, ob ich noch in der Lage bin, jugendliche Schamröte in mein von den Jahren gezeichnetes Gesicht zu zaubern, aber ich glaubte, ich war wieder 14!

Ich entschuldigte mich, worauf er mich in seiner unendlichen Güte auch noch großmütig tröstete: "Warum, Sie sind eh ins Abseits getreten."

© Leju