Die Tasse

(Als ich kostbares Porzellan zerschlug)

Also, liebe Frau, ich habe das für dich so gestaltet, in der Hoffnung, dir damit vielleicht ein wenig Freude zu bereiten.

Da ich keine geeignete Teetasse fand, nahm ich diese Kaffeetasse von der Meissner-Garnitur. Dann nahm ich den Tee aus der alten, verbeulten Dose und goss mir eine Tasse auf. Während des Trinkens verformte sich diese schöne Tasse beträchtlich. Erst wurde sie so groß, dass unsere Mitzekatze hineinwollte. Ich erlaubte das natürlich nicht. Hatte doch schon zuvor eine Eintagsfliege ihre ohnehin äußerst kurz bemessene Lebenszeit in meinem sonderbar duftenden Gebräu schlagartig vorzeitig beendet. Mein Rettungsversuch blieb erfolglos. Sie war auf der Stelle tot.

Als ich mir später eine zweite Tasse aufgoss, passte aber auch nicht mehr Flüssigkeit als zuvor in die Tasse. Trotz der Verformung. Diese Gefäßaufblähung hatte sich offenbar wieder zurückgebildet.

Ich hatte noch nicht einmal die Hälfte davon getrunken, veränderte sich das gute Stück nochmals, ein ovaler Hohlkörper wurde daraus. Ich putzte meine Brille, was aber keine Veränderung meiner Wahrnehmung bewirkte. Außerdem war sie nun undicht geworden, die Tasse. Als ich nämlich wieder trinken wollte, war sie leer. Eh besser so, dachte ich mir. Diese Sorte Tee sollte man lieber nicht mehr trinken.

Was die für Schäden an Material und ... anrichtet! Davor habe ich dich bewahrt, meine Liebe. Und als ich sie auf die dazugehörende Untertasse stellen wollte, machte sie sich auch noch selbständig, fiel zu Boden und zerteilte sich, die Tasse. In viele, unterschiedliche Stücke mit variierenden Formen.

Um dem ganzen unkontrollierbaren Treiben ein Ende zu setzen, beschloss ich, eine endgültige Entscheidung zu treffen und dem Material eine weiterhin sinnvolle Bestimmung zu verleihen. Es bot sich die Gestaltung einer echten Meissner-Collage an, ja, drängte sich direkt auf, weil es Derartiges doch noch nicht gab. Jedenfalls meines Wissens nicht. Ein Unikat habe ich geschaffen. Deine ganz gebliebene Untertasse in der Mitte platziert, zur Orientierung, schwirren die vielen geteilten Sternentrümmer um sie herum.

Wie in unserem Universum ....

© Leju