Na dann

Sie fuhr durch die Drehtüre des Supermarktes heraus, langsam, beide Hände umfassten die Griffe am Gefährt. Der Wagen war vollgefüllt.

Unmittelbar vor dem Ende des Eingangs- bzw. Ausgangsbereiches blieb die betagte Dame mit ihrem Rollator stehen. Die Drehtüre blockierte. Einige Kunden und ich wurden mit ihr eingeschlossen. Das bemerkte die alte Frau offensichtlich nicht.

Sie blickte suchend herum, dann fragend zu mir gewandt, sagte sie: "Wenn ich jetzt wüsste, wo das Auto ist!"

Ich nahm mich der Sache an. "Kommen Sie weiter, hier, zur Seite und nach vor, damit die Drehtüre weiter aufgeht" und zog sie sanft zur Seite.

Draußen angekommen fragte ich sie, was sie denn für ein Auto habe.

Sie schaute mich nachdenklich an und stellte fest: "Wenn ich das wüsste."

Und weiter: "Ich weiß nicht, wo das Auto steht." Und ihr scharfer Blick suchte die Umgebung ab. Ich erkundigte mich nochmals nach ihrem Fahrzeug.

"Na so ein kleines, aber mit vier Türen" fügte sie stolz hinzu.

"Welche Automarke ist es denn" erkundigte ich mich, "ein Opel, oder ein VW, oder Renault?"

"Das weiß ich nicht. Was Sie alles wissen wollen" empörte sie sich.

"Na, dann schauen wir halt einmal nach. Sehen wir uns den Zulassungsschein an" riet ich ihr.

"Ja ja", sagte sie "im Schein, schauen Sie nur."

"Den haben aber Sie, - in der Handtasche vielleicht." Sie begann in ihrer Handtasche zu suchen, kramte herum, gab auf, suchte in der linken Manteltasche, dann in der rechten. Dann blickte sie mich fragend an und stammelte: "Was suchen wir?"

"Den Zulassungsschein für Ihr Auto!" Und sie begann mit der Suche von vorne.

"Hab ich sowas überhaupt? Muss ich das haben?"

"Wenn Sie ein Auto haben, besitzen Sie sicher auch einen Zulassungsschein" machte ich der Dame verständlich. In Anbetracht ihres hohen Alters und ihres gegenwärtigen Zustandes bot ich ihr an, doch "auf diesem Stockerl hier Platz zu nehmen" und stellte meine Kühlbox, welche ich bei derartigen Einkäufen immer mit dabei habe, neben ihr auf den Boden. Gerne lies sie sich mit meiner Unterstützung und einigem Geschnaufe ihrerseits darauf nieder. Ich hockte mich neben sie auf den Begrenzungsstein. Ich begann wieder von vorne: "Wissen Sie, welche Farbe Ihr Auto hat?"

"Ja freilich, was denken Sie denn von mir. Ich bin doch nicht blöd" entrüstete sie sich.

"Es ist ein graues Auto."

"Und der Zulassungsschein, wo ist der?" setzte ich nach.

"Na, der wird halt im Handschuhfach sein, wo sonst!" klärte sie mich mit unerschütterlicher Logik auf.

Als wir so dasaßen und überlegten, was wohl getan werden konnte, näherte sich uns ein alter Herr, etwas gebückt, nach vorne geneigt in seiner Körperhaltung, steif und eingeschränkt in seinen kurzartigen Bewegungen, mit einem vertraulichen Lächeln im Gesicht und hielt direkt vor uns inne. Den Stock hielt er in der linken, den Hut zog er mit der rechten Hand.

Er grüßte höflich und ergänzte: "Hast alles gekauft, was wir brauchen? "

Ein Nicken der Dame genügte ihm, und er resümierte:

"Na dann ..."

© Leju