BAND II/18_ LEO in der 4. Klasse

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BAND II/18_ LEO in der 4. Klasse | story.one

LEO und sein Alltag!

Die meiste Zeit stand ER hinter der Nähmaschine seiner Mutter und schnitt die fertig genähten Ärmel, Manschetten ab und auch umdrehen.

Sonst hat ER keine besonderen Erinnerungen an diese Zeit.

Die Noten wurden auch in der zweiten Klasse nicht viel besser, es reichte aber aus, um in die dritte aufzusteigen. Auch hier in diesem Schuljahr nichts von Bedeutung.

LEO, der nicht sehr gesprächige Einzelgänger, aber immer bereit einzuschreiten, wenn es wo unfair zuging.

Mit acht Jahren konnte ER ein Gulasch kochen, Reis oder Kaffee hinstellen. Auch das Abwaschen des Geschirrs und den Einkauf erledigen. Beim Einkaufen, war es erlaubt, bei den Hausmeisterkinder die neueste Micky Maus Heften anzusehen. Lesen konnte LEO durch Zeitmangel nicht, so überflog ER nur die Bilder und versuchte sich das meiste nur vorzustellen, um was es ging.

Eigentlich erlebte ER auch nichts Erwähnenswerte und von Bedeutung, das verdient hätte, jetzt wiedergegeben zu werden.

Auch sein Vater war auszuhalten, denn LEO war ihm einfach egal. Das änderte sich allerdings als Inge, die Tochter seiner Schwester Liselotte, in die erste Klasse ging.

Wusch!

Nur Einser, und sein Vater genierte sich plötzlich für LEO! Bei einer Nachmittags Jause mit den Tanten und Onkeln wurde Folgendes beschlossen. Vater wird die Arbeit in der Fabrik kündigen. Bei der neuen Arbeit in einer Molkerei war Arbeitsbeginn um 22 Uhr bis 6 Uhr früh.

Okay? So hatte er einmal diese harte schwere Arbeit angebracht und zum anderen nun Zeit, um mit LEO zu lernen.

Das Gitterbett seines Bruders musste weichen, da auf dessen Platz eine zweite Industrienähmaschine für Vater gestellt wurde – Ratenzahlung. Es wurden keine Blusen mehr genäht, sondern Bettwäsche, die zugestellt und auch abgeholt wurde. Echtes Flanell (Franö).

Und die Buben bekamen ein eisernes Stockbett.

Dann die 4. Klasse, er kontrollierte die Hefte, setzte sich zu LEO bei der Aufgabe, war selten mit seinem geschriebenen zufrieden. Seiten wurden herausgerissen, diese dann auch natürlich nachgeschrieben. Die Hefte wurden dadurch dünner bis seine Mutter mit der Nähmaschine auf der letzten Seite ein neues Heft dazu nähte.

Für LEO begann eine Zeit, heute sicher undenkbar! Sofort würde sich die Fürsorge einschalten, gäbe Berichterstattung in den Medien, dem Gewalttäter würde der Prozess gemacht werden.

1960 interessierte es kein Schwein! Niemanden und der Lehrer ging noch mit einem Bambusstock durch die Klasse. Ab und zugab es einen Klaps, wenn’s ein schwereres Vergehen war, gab es auch schon einmal einen Schlag, auf Schulter oder auf die Hände. Und bei LEO zu Hause waren es die Knöchel seines Vaters, die ihm Tag für Tag einen blutigen Scheitel zogen.

Seine Sitzhaltung, Kopf schief? - SCHRUMM!

Kopf zu weit unten? – SCHRUMM!

Auf der Zeile oben angesetzt, nicht unten, wenn es ein großes „M“ in einem Zug werden sollte? - SCHRUMM!

Nicht weit genug am linken Rand zuschreiben begonnen? SCHRUMM, SCHRUMM, SCHRUMM......

© LEO-WITSCH 16.09.2020