Angst im Schnee

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Angst im Schnee | story.one

Wie jeden Winter auch, machten wir uns in den Semesterferien wieder auf zum Schifahren. In diesem Jahr fuhren wir in die Steiermark. Meine Eltern und meine Schwester Sarah, die 4 Jahre älter als ich war, sind sehr gute Schifahrer und nahmen immer die roten und schwarzen Abfahrten. Nur ich war mit meinen 5 Jahren noch nicht so sicher auf den Schiern. Ich sollte auch heuer wieder in die Schischule gehen, worauf ich aber überhaupt keine Lust hatte. Viel lieber würde ich mit meiner Familie die steilen Pisten hinunterflitzen, doch ich war für sie nur eine Bremse, so hat es zumindest meine Schwester beschrieben.

Nach einer etwa 3stündigen Autofahrt erreichten wir unser Hotel. Am nächsten Morgen gingen wir zur Schischule, wo ich nach einem kurzen Vorfahren, dass ich sehr gut meisterte, in eine Gruppe mit viel älteren Kindern eingeteilt wurde. Ich war der Meinung, dass diese viel besser fuhren und hatte ein etwas mulmiges Gefühl, als unser Schilehrer Jakob meinte, dass wir gleich zum Sessellift gehen und die rechte rote Abfahrt nehmen sollten. Ich saß mit einem Jungen aus Graz namens Philipp im Lift und wir unterhielten uns.

Oben angekommen, wirkte die rote Piste mit den Hügeln und eisigen Abschnitten dann schon etwas beängstigend auf mich, aber das wollte ich natürlich nicht zugeben. So nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fuhr in einer Mischung aus Pizzaschnitte und Parallelschwung nach unten. Ich musste mich schon ziemlich anstrengen, um halbwegs mitzukommen. Die anderen waren schon weiter unten und ich als Schlusslicht konnte sie kaum noch sehen. Als ich dann auch noch auf einer Eisplatte stürzte, verlor ich den Anschluss an die Gruppe. Was sollte ich nun tun? Mitten auf der Piste, und weit und breit niemand, den ich kannte. Tränen kullerten mir über die Wangen. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass mich niemand finden und ich hier im kalten Schnee erfrieren würde. Wo war mein Schilehrer? Wo waren meine Eltern? Ja sogar meine Schwester vermisste ich. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich eine andere Schigruppe vorbei. Die Schilehrerin dieser Gruppe war sehr nett und half mir auf. Ich durfte mit dieser Gruppe in das Tal hinunter fahren. Diese Kids fuhren genau mein Tempo. Ich fühlte mich sehr wohl.

Unten angekommen, sah ich schon meine Eltern ganz aufgeregt mit Jakob, dem Schilehrer reden, der jetzt offensichtlich auch mein Verschwinden entdeckt hatte. Mama wollte mich aus der Schischule nehmen, da sie kein Vertrauen mehr in diese hatte. Das sollte mich eigentlich freuen, doch in der neuen Schischulgruppe fühlte ich mich richtig wohl und auch die Schilehrerin war richtig nett. Ich überredete meine Eltern, dass ich bleiben darf. Sie stimmten schweren Herzens zu. Auch Philipp, der Junge aus Graz, wechselte die Gruppe, was mich sehr freute. Von nun an ging ich gerne in die Schischule und machte auch große Fortschritte. Beim Abschlussrennen am letzten Tag belegte ich sogar den 2. Platz. Voller Stolz trug ich die Medaille.

© Leonie