Geburtstage mit schalem Beigeschmack

Gestern richtete ich für meinen siebenjährigen Sohn eine Geburtstagsparty aus. Ich machte das, was alle Mamas machen: Ich hing Girlanden auf, dekorierte den Tisch, blies Luftballons auf. Während ich dies alles tat, schweiften meine Gedanken ab. Wann wurde für mich als Kind eine Feier ausgerichtet? Bei meinem fünften Geburtstag – ja, da gab es eine! Das dokumentieren Fotos und ich kann mich auch noch bruchstückhaft daran erinnern. Nachbarskinder wurden eingeladen. Der Tisch war fürstlich gedeckt. Mit Torte, Krapfen, Salzstangen, Obst. Mama drehte Tanzmusik auf. Ich war ein Kind, das mit Freunden feierte. Unbeschwert. Fröhlich. Glücklich.

Es war das letzte Fest, das für mich gegeben wurde. Danach wurde meine Mutter krank. Sehr krank. Als ich acht Jahre alt war, verlor sie den Kampf gegen ihren Brustkrebs.

Meine folgenden Geburtstage wurden zwar im kleinen Familienkreis gefeiert, doch eine Kinder-Party gab es nie wieder. Dafür wurde ich oft auf andere Feten eingeladen. Dort hatte ich freilich immer Spaß und amüsierte mich gut, aber es blieb stets ein schaler Beigeschmack: Immer wurde ich daran erinnert, dass es bei mir daheim keine Mutter gab, die alles schmückte, Spiele organisierte, die Gäste verköstigte. Es tat weh und tut noch heute weh, wenn ich daran zurückdenke.

Meiner um vier Jahre jüngeren Schwester sollte dieser Schmerz erspart blieben. Das beschloss ich schon im Kindesalter. Als sie ihren siebten Geburtstag feierte, war ich mehr oder weniger die Gastgeberin. Ich deckte den Tisch, belegte Brote, bot Snacks an. Ich weiß noch genau, wie ich an diesem Tag in der Küche stand und darüber nachdachte, wie verkehrt die Welt doch ist. Ich war selbst erst elf Jahre alt und übernahm die Aufgaben einer Erwachsenen. Doch diese Tatsache schwächte mich nicht, sondern machte mich stärker. Die strahlenden Augen meiner kleinen Schwester waren Lohn genug. Sie war ein Kind und sollte so lange wie möglich eines bleiben.

© LillyRuth