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Todesangst im Paradies

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Todesangst im Paradies | story.one

Nach unserer wunderbaren Zeit auf der Trauminsel Koh Rong – Sonne, weißer Sandstrand, glasklares, türkises Meer und Fullmoonparty - geht es am letzten Tag wieder zurück aufs Festland wo unser Nachtbus nach Siam Reap wartet.

Am Hafen erfahren wir, dass heute keine Boote starten konnten, weil durch den Wind und die Gewitter so große Wellen waren. Die Polizei hat eine Abfahrtssperre ausgesprochen. Aber unser 15 Uhr Speedboat kommt…. nur halt verspätet. Wann? Das weiß keiner. Wir warten Stunden und keiner kann uns sagen, wann und ob das Boot kommt. Der Typ von der Speedboat Firma ist so stoned, dass er kein Englisch mehr kann und zuckt nur mit den Schultern. Stunden später kommt dann endlich ein Boot! Juhu! Als wir einsteigen, trifft uns fast der Schlag. Das Boot ist komplett überfüllt, keine Sitzplätze mehr frei. Wir quetschen uns noch stehend dazu, aber das kommt uns alles sehr gefährlich vor. Schwimmwesten? Fehlanzeige!

Wir fahren zu einem weiteren Hafen, an dem angeblich Leute aussteigen. Das Boot wackelt und schwankt – im Fullspeed Modus schießt es uns in die Luft und mit einem festen Schlag wieder auf den Boden. Hölle! Die ganzen Leute schreien, wir kriegen kaum Luft. Beim nächsten Stop steigen zwar echt ein paar aus, aber doppelt so viel ein.

Isi und ich haben uns einen Sitzplatz in der ersten Reihe geschnappt und an uns drängen sich immer mehr Leute rein ins Boot, mittlerweile wird es schon dunkel. Immer mehr Leute. Keine Luft. Man hört Menschen schreien: „Thats dangerous“ „too many people“ „you can‘t do that!“ Der Crew ist das offensichtlich scheiß egal. Ich bekomme eine Panikattacke. Mir wird so schwindelig, kriege keine Luft mehr, mir wird schlecht und meine Hände werden so taub, dass ich sie nicht mehr spüre. Herzklopfen. Schwindel. Herzklopfen. Das Boot startet wieder und wir fetzen durch die riesigen Wellen durch die finstere Nacht. Wasser spritzt auf uns, unsere Rucksäcke an Deck sind mittlerweile schon klatschnass. Isi und ich krallen uns aneinander fest. Alle paar Sekunden fliegen wir über eine Welle, in der es unsere Körper aus den Sitzen hebt und wieder mit voller Wucht wieder zurück und wieder rauf und wieder runter. Alles tut uns schon weh… ich spür meine Hände nicht….

Wir haben Todesangst. Wie oft muss ich auf dieser Reise noch an meine Grenzen gehen? Das Boot ist ständig in Schieflage und ich versuch mit voller Kraft nicht dran zu denken, dass wir uns hier überschlagen. Wir können zwar schwimmen aber auf offenem Meer ohne Schwimmweste bei den großen Wellen… haben wir wahrscheinlich alle keine Chance. Isi und ich krallen uns aneinander, schreien und schluchzen. Meine Gedanken: "wir schaffen das. wir schaffen das." Es ist komplett dunkel. Irgendjemand holt sein Handy raus, der Kapitän schreit: "lights off! lights off! i can‘t see!"

Nach 1.5 Stunden Todesangst erreichen wir tatsächlich das Festland. Der Motor stoppt. Alle Klatschen und Jubeln.

© LinneaBorealis 01.08.2020

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