menschen mögen erwachsene

eines abends stand ich ein zeiterl an einer geselligen wiener bar herum und beobachtete dabei ein wenig deren gäste und dessen nächtliches treiben .

immer mit einem diffusen unbehagen, einem leichten. weil's doch auch etwas befremdliches hat, sich so für sich allein in blicken und dem tun anderer um einen herum zu verlieren.

aufgefallen ist mir dabei ein junger mann. optisch wie aus einer dunklen ecken der 1980er entsprungen. offensichtlich etwas erschöpft doch keinesfalls erschöpft genug, um sich mit der ihm umschwärmenden damschaft zu unterhalten.

ablesbar schien mir, dass sich seine selbstsicherheit vorwiegend auf das interesse der von ihm umgegbenden damen stützt.

nicht ganz unberücksichtigt bleibt noch zu erwähnen, dass er wohl einer der kleinsten in dieser bar gewesen sein musste.

nach einiger zeit an der bar steuert der junge mann zielstrebig auf mich zu, stellt sich mit bester und aufrechter haltung an meine seite und fragte manierlich:

„darf ich mich mit ihnen unterhalten?“

"natürlich!"

letztlich sprachen wir über frauen alleine an bars und warum das für männer als auch frauen ein kompliziertes thema sein kann.

und über so manch orientierungslosigkeit und unsicherheit der fortgehenden menschen und warum dieser umstand sich in jedem lokal wiederfinden lässt.

und über die frage, warum viele dieser menschen in vermeintlich entspannter umgebung ihrem umfeld so angestrengt etwas vorzumachen versuchen, obwohl doch ohnehin fast jeder dabei erstmals mit sich selbst und den eigenen unsicherheiten beschäftigt ist.

zu guter letzt hat es den jungen mann womöglich beeindruckt, dass ich offenbar die einzige person an diesem abend schien, bei welcher ihm auffiel, dass sie niemandem etwas vorzuspielen versucht.

ein denkbarer grund, sich in dieser bar schlussendlich an meine seite zu gesellen war vielleicht der, dass er meinem kleinen geheimnis auf die schliche kommen wollte.

und dann hab ich´s versucht zu erklären. ein wenig.

denn letztlich gehts ja ganz selten um wirklich relevantes meinte ich. es wäre doch bloße energieverschwendung anderen und letztlich sich etwas vorzumachen. dieser engergieaufwand wird einem wenig gedankt, nicht einmal von einem selbst.

wir hatten uns dann freundlich verabschiedet und ich hatte ihm das „du“ angeboten, nachdem er mich kurz umarmt hatte. dann hatten wir uns manierlich die hand geschüttelt und darauf hin gab´s noch ein busserl auf die wangen.

ich hab dann glaub ich etwas verstanden.

nämlich, dass ich eine erwachsene geworden bin. dass ich als erwachsene manch jungen menschen ein bisserl kraft und stärke schenken, eine meinung zum einpacken, mitnehmen und weiterdenken auf den weg geben kann und im besten falle eine vorbildwirkung habe. ihm zuversicht und ein patzerl sicherheit auf den weg bis nach haus und noch ein stückerl darüber hinaus geben kann.

lasst uns erwachsene sein und vorbilder voller zuversicht!

machen wir junge menschen groß auch wenn sie klein sind ...

© Lisa Held