"Bim Bam"...

Sie war eine meiner besten Freundinnen. Wir lernten uns kennen, weil ein Jobwechsel ihres Mannes sie in den Pinzgau verschlug. Sie war attraktiv, lebenslustig und charmant und wirkte dadurch immer ein wenig fehl am Platz inmitten rauer Gebirgler. Ein Paradiesvogel unter Amseln, Meisen und Spatzen. Ihr tägliches „Vodkachen“ wie sie ihren Seelentröster nannte, ließ sie dennoch stets frohen Mutes sein. Sie wirkte mindestens zehn Jahre jünger, und zog Männer an, wie Motten das Licht. Ich liebte dieses verrückte Huhn und wir nannten uns gegenseitig „Aurinko“, was in ihrer Sprache Sonne bedeutete. Leider ist diese lebenslustige Frau viel zu früh von uns gegangen.

Hier eine für sie typische Begebenheit;

Raita war mit ihrem Mann in der Hotelsauna, was öfter vorkam, da er Direktor des Hotels war. Sie besuchten die Sauna gerne dann, wenn keine Gäste mehr zu erwarten waren. Meist gegen Mitternacht. Raita war ein wenig spät dran und als sie sich zu Henrik in die Sauna gesellte, hatte dieser schon eine Zeit lang vor sich hin geschwitzt und verließ den Raum früher als sie. Raita blieb noch zehn Minuten und weil sie ein Fan von großer Hitze war, gönnte sie sich noch zwei Aufgüsse.

Danach beschloss sie sich etwas abzukühlen und ging in die Wasch und Duschräume. Als sie sich nach dem Kneipp Ritual dem Waschbecken näherte, sah sie im diffusen Licht des Raumes einen Mann über das Waschbecken gebeugt. Die Beine gespreizt den Hintern keck in die Höhe gereckt, den Kopf über das Becken gebeugt.

Holla, dachte sie, nun werde ich Henrik ein wenig necken. Ein bisschen Spaß muss sein. Nichts liebte sie so sehr, wie solche kleinen Spielchen. Ihr pragmatischer Mann schätzte das weniger, aber das reizte sie nur umso mehr. Vielleicht war auch ein „Vodkachen“ mit im Spiel, wer weiß…

Voller Vorfreude schlich sich an ihn heran, beugte sich in Richtung seiner Kronjuwelen und zückte ihre rechten Hand, um zart die ihr vertraut scheinenden Anhängsel zum Schwingen zu bringen. „Bim Bam, flötete sie, Bim Bam!“

Da ging ein Ruck durch die Gestalt, was Raita vor Vergnügen glucksen ließ. Im Gesicht des Mannes lag ein Ausdruck zwischen Schrecken und Erstaunen. Als er Raita sah, verzog sich seine Miene zu einem süffisanten Lächeln.

Das Lachen meiner Freundin aber, erstarrte in der Sekunde. Denn die Person, die vor ihr stand, war definitiv nicht ihr Mann, sondern wie sich herausstellte ein Gast des Hotels, der wohl auch auf die Idee gekommen war, ein Mitternachts-Aufgüsschen zu genießen, wo die Sauna noch aktiv war…

Das Missverständnis war bald geklärt, der Hotelgast hatte Humor und Raita wurde nicht wegen sexueller Belästigung angezeigt. Die kommenden Wochen aber, hielt sie sich fern vom Hotel, denn diese Geschichte war sogar diesem nordischen Freigeist ein bisschen ZU peinlich...

© LoPadi