Love is blue ...

Ich bin aufgeregt. Ich habe ihn noch nie gesehen, gerochen, gefühlt. Alles, was ich habe, sind Bilder von ihm. Darin lese ich viel von Sanftmut und Wärme, aber auch von Launen. Er scheint ehrlich zu sein. Das gefällt mir. Ich stelle mir gerade die erste Begegnung vor. Wie wir uns ansehen, wie er sich anfühlt und wie er riecht … Ich mag es nicht, wenn etwas nicht gut riecht. Zweifel regen sich in mir. Was, wenn er mir nicht gefällt, wenn er nicht so gut aussieht, wie auf den Bildern. Was, wenn er kühl ist und unnahbar, vielleicht sogar gefährlich. Aber nein- alle seine Beschreibungen klingen spannend und aufregend. Das gefällt mir, denn Langweiler sind mir ein Gräuel.

Manche Gedanken bringen mein Blut in Wallung. Wie wird es sich erst anfühlen, wenn wir uns gegenüber stehen? Was soll ich anziehen? Beim ersten Mal sollte ich vielleicht nicht zu viel Haut zeigen. Ich möchte nicht oberflächlich wirken, aber auch nicht unerfahren. Vielleicht ein Spaziergang an seiner Seite. Vielleicht eine Ausfahrt mit dem Boot? Also packe ich vorsichtshalber noch etwas Warmes ein.

Meine Freundin Elsa macht sich lustig über mich. Sie hat viel mehr Erfahrung und neckt mich ständig, wegen meiner Unsicherheit. Sie wird mich begleiten. Sicherheitshalber und um mich zu beschützen. Sie muss für mich ganz schön weit fahren, um mich meinem ersten Rendezvous näher zu bringen, aber Elsa ist eine, die sich immer mit mir freut und das Beste für mich will. Deshalb mag ich sie so sehr.

Die Reise ist lang und je näher wir dem ersehnten Ziel kommen, desto größer wird die Aufregung. Mein Herz klopft, meine Handflächen sind feucht. Ich bekomme rote Wangen, was ich hasse. Noch kann ich zurück. Elsa beruhigt mich. Sie glaubt, dass es richtig ist, meinem Impuls zu folgen. Ich träume doch schon so lange von dieser Begegnung.

Je weiter südlich wir kommen, desto wärmer wird es. Elsas Auto hat keine Klimaanlage und so halten wir an einer Raststätte an, um uns zu erfrischen. Männer mit dunklen Augen starren uns unverhohlen an. Hübsche Kerle, aber chancenlos. Ich habe nur den einen im Sinn. Ich lächle, weil ich mir immer mehr vorstellen kann, wie ich umspült werde vom Glück. Schnell trinken ich aus, denn schnell will ich am Ziel sein.

Dann ist es soweit. Elsa parkt ihren kleinen verstaubten Wagen vor der Pension in der wir die nächste Woche verbringen werden, egal ob sich mein Traum erfüllt oder nicht. Ich frage die Einheimischen nach dem Weg zum vereinbarten Ort. Alleine will ich ihn sehen. Ohne Else. Sie versteht das.

Aufgeregt eile ich den schmalen Pfad entlang. Mein Kleid bleibt an den Dornenbüschen hängen. Ungeduldig reiße ich mich los. Irgendwo da vorne muss er auf mich warten. Ich bin aufgeregt wie selten zuvor. Es ist schrecklich heiß. Meine Wangen glühen. Als ich mein Ziel endlich erreiche, bin ich überwältigt von dem was ich im gleißenden Sonnenlicht vor mir sehe.

Der Ozean ist noch schöner, als ich es mir je erträumt habe, und nun weiß ich es; Love ist blue

© LoPadi