Mirko hat das Glück gefunden

Wir kommen ganz zufällig ins Gespräch. Eine Wanderung in der brütenden Hitze auf den höchsten Berg der kleinen Insel haben mich und meinen Mann durstig gemacht. Eine kleine Kneipe am Wegesrand verspricht Schatten und Bier. Wir nehmen auf der Terrasse Platz und freuen uns über den Luftzug der sanft unsere schweißnasse Haut trocknet. Unsere Kehlen sind trocken. Meine Zunge schmeckt das Salz auf den Lippen. Schnell zwei Halbe. Ein junger Mann wir schätzen ihn um die Dreißig, bringt uns das ersehnte kühle Bier. Gierig nehmen wir den ersten Schluck des köstlichen kroatischen Gerstensaftes. Weil unser Gespräch sehr persönlich war, nenne den jungen Mann in der Geschichte Mirko, was nicht seinem richtigen Namen entspricht. Seine Anonymität soll gewahrt bleiben, denn seine freundlichen Antworten in groben Englisch und der offene Blick wirken echt. Er freut sich sichtlich, dass wir an seinem sein Leben interessiert sind.

Mirko erzählt uns, dass er der Schwiegersohn des Kneipenbesitzers ist, und den Laden schmeißt. Seine Frau managt den winzigen Gemischtwarenhandel gleich nebenan. Er hat eine maritime Ausbildung und war zuletzt dritter Offizier auf einem Frachter. Kürzlich hat er gekündigt. Wir sind verblüfft und fragen, warum er lieber Dienstleister mit schwankendem Einkommen ist und nicht die Sicherheit einer Festanstellung vorzieht. Außerdem wollen die meisten Jungen Leute weg von Insel, hat man uns erzählt. Da strahlt er uns an und versichert, dass er viel lieber bei seiner Familie ist und nicht acht Monate gefangen auf einem Schiff. „Schau wie schön es hier ist. Hier habe ich das Glück gefunden, versichert er mit leuchtenden Augen. Hier ist mein Zuhause. Jeden Morgen fahre ich mit meinem kleinen Boot hinaus in die Bucht zum Fischen. Wer hat das schon“!

Später bittet er uns ganz Geschäftsmann, ein wenig Werbung unter den Seglern zu machen. Dafür gibt er uns ein paar Broschüren mit. Auf die zwei Bier lädt er uns ein. Wir versprechen beim Verabschieden, am Abend wiederzukommen.

Wir bringen alle Flyer an den Mann. Als wir abends zum Essen kommen, strahlt er uns an und bedankt sich mit zwei Grappas für unser „Engagement“, denn er hat beobachtet, dass wir sein Werbematerial tatsächlich verteilt haben.

Seine Kneipe füllt sich langsam und wir genießen einfaches, würziges Essen und den süffigen Hauswein. Nicht ganz billig, aber egal, wir sehen es als Beitrag zum prosperierenden Tourismus in dieser Region.

Am nächsten Morgen, hören wir vor Anker liegend, in der Ferne einen Motor tuckern. Jemand singt. Das Tuckern wird immer lauter und langsam erkennen wir die Melodie. Hören wir richtig? Das ist doch „Hey Baby“- ein Hit aus der Heimat. Zuerst denken wir an die üblichen Verdächtigen (besoffene Charterer). Aber es ist Mirko in seinem Fischerboot! Er singt und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Er winkt uns zu. Dann ist er fort.

Nun sind wir uns sicher- Mirko hat sein Glück gefunden!

© LoPadi