Schnapsidee

Da standen wir nun auf der Jan Berghaus Brücke über der Ems und hielten Ausschau nach unserer Yacht. Aber da kam nichts der Ems entlang, was auch nur annähernd einer Alpha 32 ähnlich sah. Wir schauten, schauten und schauten. Manchmal kam uns vor, als sähen wir in der Ferne ein ähnliches Schiff, aber immer bogen diese in einen Seitenkanal der Ems ab.

Wir warteten weiter. Nichts. Kein Schiff. Waren wir zu spät? So schnell konnten selbst die Männer nicht unterwegs sein. Wir begannen, uns Sorgen zu machen. Damals gab es noch keine Mobiltelefone und wir konnten nicht einfach schnell mal anrufen, um die berühmte erste und wichtigste Frage aller Handyfonierer zu stellen: „Wo bist du?“

Nun denn - wir hatten keine Verbindung zu den Männern. Wir mussten eine Entscheidung treffen und das taten wir. Wir fuhren weiter nach Emden. Vermutlich hatten wir die Männer nur verpasst. Wie so oft hatte ich schon wieder ‚dieses‘ Gefühl und wenn ich dieses Gefühl habe, dann hat das meistens nichts Gutes zu bedeuten.

Schließlich hatten wir unsere Autos geparkt, der Regen war schwächer geworden und wir hielten Ausschau im Stadthafen von Emden, um unsere beiden Seemänner zu entdecken. Nur war da niemand. Keine Yacht, keine Männer. Falsch. Es kamen doch Männer, auffallende Männer, Männer in Uniform, in Polizeiuniform um präzise zu sein. Es war schon komisch. Wieder hatte ich ‚dieses‘ Gefühl und das sagte mir: Die Beiden haben es auf uns abgesehen. Auf uns Ausländer. Was hatten wir bloß angestellt?

Und die beiden Uniformierten kamen tatsächlich auf uns zu. Ich schaute hinter mich. Nein, da waren tatsächlich nur wir zwei Hübschen. Einer der Männer sagte: „Sind sie aus Österreich?“ Ich: „Ja, warum?“ Gerne hätte ich gereizt geantwortet: „Na und, ist es verboten als Österreicherin in Emden spazieren zu gehen?“ Natürlich sagte ich das nicht, denn es war gerade nicht Gereiztheit angesagt, sondern eher neugieriges Abwarten und etwas Respekt vor der Obrigkeit in der Hoffnung, dass unseren Männern nichts passiert war. Aber es war etwas passiert, das spürte ich deutlich. Ich bekam es plötzlich mit der Angst zu tun. Hanni schaute sah mich ebenfalls besorgt an.

„Sie heißen Padi ?“, fragte einer der Polizisten.

„Ja“, schluckte ich, „warum?“

„Ihre Männer hatten einen Brand an Bord ihrer Yacht“. „Sie sitzen in der Schleuse Leer fest“.

Brand? Panik stieg in mir hoch.

„Was genau ist passiert, sind unsere Männer verletzt?“

„Soweit wir es wissen, ist das Schiff nicht mehr zu manövrieren, aber den Männern fehlt nichts“. Das war ja wenigstens etwas Positives.

Aber was war mit dem Schiff? Ist dies das Ende unserer Reise? fragte ich mich verzweifelt. Ein bisschen früh. Vor meinem geistigen Auge packten mein Mann und ich schon wieder die paar Habseligkeiten, die uns noch geblieben waren, zusammen und kehrten reuevoll zu unseren Familien zurück, die uns selbstverständlich mit Genugtuung zu verstehen gaben, sie hätten es immer gewusst. Weltumsegelung? Was für eine Schnapsidee!

© LoPadi