Grüne Fisolen mit Brot und Knackwurst

Meine Mutter musste uns Buben, wir waren zwei, alleine großziehen.

Franz war um 9 Jahre älter als ich und sehr schwierig, schon in jungen Jahren kam er immer wieder auf die schiefe Bahn.

Wir hatten durch den Konkurs unseres Geschäftes alles verloren, so war es sehr schwer für die Frau Mama. Man hat sich damit geholfen, die wichtigsten Gemüse im Garten anzubauen, um die Kosten für Lebensmittel gering zu halten. Die Tante Resi hatte die meiste Erfahrung und auch Zeit bei der Aufzucht des Gemüses zu helfen. Auch die Großmutter aus Drasenhofen kam zwei bis dreimal im Jahr und brachte Samen, Zwiebeln und andere Sachen vom Land.

So gabs immer von Frühling bis in den Winter hinein, Karotten, Kohlrabi, Petersilie, Dille, Bohnen und grüne Fisolen (grüne Bohnen).

Ein Verwandter hat uns einen kleinen Tiefkühler geschenkt, damals eine Rarität, die auch viel Strom verbrauchte, aber er schaffte Platz fürs Gemüse, dass wir somit bis in den Winter genießen konnten.

Oft gabs grüne Fisolen, Mutter machte sie immer mit viel Dille und brannte sie ein:

1 Kg Fisolen in maximal 5 mm große Stücke schneiden, im mit Natron (Natron sorgt dafür, dass die Bohnen beim Kochen schön grün bleiben) versetzten Wasser bissfest kochen. Ich gebe bereits beim Kochen die Stängel von der Dille und Knoblauch in ein Sackerl aus Stoff und koche diese Zutaten mit, das gibt noch mehr Aroma, denn das Kochwasser verwende ich später zum Aufgießen der "Einbrenn". Die "Einbrenn" kann man auch Mehlschwitze nennen: Butter, Schmalz oder auch Öl – je nach Gericht – in einer Pfanne erhitzen, Mehl darin bis zur gewünschten Farbe anschwitzen und je nachdem wofür die Mehlschwitze gebraucht wird, mit Suppe oder Wasser aufgießen.

Nun hebt man mit einem flachen Sieb die Fisolen in Eiswasser, damit sie nicht "nachziehen".

Die grünen Fisolen in einem Topf geben, ein bisschen Rindsuppe auf das Gemüse, etwas Kochwasser dazu, aufkochen und mit der "Einbrenn″ und einen geriebenen mehligen Kartoffel etwas eindicken, je nachdem wie man es gerne hat – ich liebe es so halb flüssig – andere wiederum machen einen dicken Brei daraus.

Gewürzt wird nun das Ganze mit Salz, weißem Pfeffer, Knoblauch und ganz viel klein gehackter Dille. Um Säure in das himmlische Gericht zu bekommen, gebe ich noch einen "Spritzer" Tafelessig dazu.

Etwa 100 Meter von uns zu Hause entfernt, gabs die Frau Russ, Inhaberin eines Milchgeschäftes – ein kleiner Lebensmittelladen. Es gab nur ein kleines Verkaufspult, dahinter führte die Frau Russ ihr einsames Regiment, sie war bis auf Freitag immer alleine im Geschäft, auch wenn in der Früh die Schüler bis auf die Straße um die Wurstsemmeln angestellt waren.

Dort gab es Knackwurst und ganz frisches Brot vom Bäcker. Die Knackwurst wurde halbiert, eingeschnitten, in Mehl gewälzt und gebraten. Besonders resch und schmackhaft war das frische Brot, ich habe es immer mit den Fisolen belegt und die Knacker dazu gegessen, ein wahrlich tolles Mahl.

© Luisa