Knapp dem Tod entwischt

Das Morphium hat seine Wirkung nach einem kurzen Schlaf verloren, die Schmerzen an den unzähligen kleinen Wunden am Bauch waren wieder da, wie wenn viele kleine Bohrer in meinen Körper herum werkten.

Der Chron hat sein Opfer gefunden und will es langsam dem Sensenmann zuführen.

Alles was ein Arzt nicht will ist geschehen, beim Entfernen eines angegriffenen Stückes Darm hat die Nähmaschine eine Naht ausgelassen und der ganze Dreck, der im Darm war, hat sich langsam über zwei Tage hinweg in die Bauchhöhle durchgefressen. Lebensgefahr, schnell wieder in den Operationssaal und alles wieder von vorne, Bauchraum öffnen, Darm heraus, mit Hand wieder zunähen, hoffentlich bekommt er keine Sepsis! Gute Aussichten nach dem Eingriff, alles ist dicht, acht Tage später wird er entlassen.

Zwei Tage später, der Patient wieder in der Notaufnahme, aus den kleinen Wunden und der Stelle wo die Dränage war, kam gelbe Flüssigkeit, es war geschehen, Sepsis. Eiter im Bauchraum, Intensivstation und alle Antibiotika die diese Bösen Keime töten sollen, in den geschundenen Körper pumpen.

Täglich wurden Wunden gereinigt, neue Drainagen gelegt, um das Gift aus meinem Körper abzuleiten.

Ich muss essen hat der Arzt gesagt, aber wie, wann ich den Essenswagen gehört habe, hat sich mein halbtoter Kadaver gegen eine Nahrungsaufnahme gewährt.

Mein Lebenswille war kaum mehr da, wieder kam mein Operateur, setzte sich zu mir, hielt meine Hand und redete auf mich ein, streichelte mich und versuchte mich zu ermutigen nicht aufzugeben.

Was wird aus meinem Kind, kaum auf der Welt wird es den Vater verlieren, die Großen werden es verkraften, aber muss die Kleine, genauso wie ich ohne Vater aufwachsen, nein, das darf nicht geschehen, die seelischen Wunden die ich habe, muss Amely nicht auch bekommen.

Ich zwang mich wenigstens ein bisschen zu essen. Beim Duschen habe ich meinen gepeinigten Körper angesehen, 47 Kilogramm leicht, unansehnlich.

Die Ernährungsberaterin fragte mich täglich, was ich den zu mir nehmen mag. Kurztraum: Faschierten Braten mit Kartoffelpüree, bei der nächsten Gelegenheit deponierte ich den Wunsch, noch am selben Tag wurde er serviert. Der Bann war gebrochen. Eine Woche später ging ich nach Hause und kochte faschierten Braten:

Zwiebel anbraten, Semmeln aufweichen und mit dem Zwiebeln fein faschieren. Alles mit Faschierten halb Schwein, halb Rind vermengen, zwei Eier, Majoran, Salz und Pfeffer würzen, einen länglichen Braten formen, Speck darüber wickeln und ab ins Backrohr, nach einer halben Stunde ist der ganze Raum mit dem Duft des Bratens erfüllt und ich kann es kaum erwarten das köstliche Mahl achtsam zu genießen.

Das Kartoffelpüree geht so nebenbei: Geschälte Kartoffeln klein schneiden, im gesalzenen Wasser kochen. Sind die Kartoffel weich, Wasser abseihen, echte Butter – nicht zu knapp – und Milch dazu und alles mit einem Stampfer zu einem sämigen Püree stampfen, Muskat und Salz dazu, einfach köstlich.

© Luisa