Glückliche Beziehungen

Vor einigen Jahren traf ich eine alte Freundin. Sie erzählte mir, dass sie in einer neuen "glücklichen Beziehung" sei. Ich lies sie erzählen, und sie sagte mir, dass sie noch nie "so unfrei" gewesen sei. Da sie mir auch erzählte, dass sie "ständig gehetzt" sei, schenkte ich ihr einen weißen Hasen, den ich auf dem Flohmarkt an der Promenade am Wasser gesehen und schließlich für sie gekauft hatte: "Keine Zeit! Keine Zeit! Keine Zeit!" Ich hatte Fragezeichen im Kopf, aber ich wusste, sie ist stets im Dienste ihrer Familie unterwegs. Wir trafen uns mehrere Male, und umso mehr freute ich mich, dass sie sich für mich Zeit nahm. Zeit ist schließlich das Wertvollste, das wir einem Menschen schenken können. Zeit in Verbindung mit Aufmerksamkeit.

Da mir meine alte Freundin einige Zeit später schließlich erzählte, dass sie für ihren Partner Wertschätzung erlernen müsse, kamen in mir Zweifel auf, dass sie in ihrer neuen Beziehung, die tatsächlich bereits über viele Jahre andauerte, wie sie erzählte, wirklich glücklich wäre. Überhaupt hatte ich eine andere Definition von "Glück". Für mich bedeutete Glück stets, zuerst mit mir selbst glücklich zu sein, und mit den Umständen, in denen ich bin. Erst dann kann ich in einer Beziehung zu einem Menschen glücklich sein, und von meinem Glück abgeben oder am Glück des anderen teilhaben, ohne dessen Glück einzuschränken. Im Fall meiner alten Freundin konnte ich beides nicht erkennen. Liebe bedeutet für mich Freiheit in selbst auferlegter Treue. Man muss sich nicht für einen anderen Menschen verändern wollen müssen. Ist es denn nicht so, dass man sich gerade wegen der Eigenschaften in diesen einen Menschen verliebt?!? Ich konnte ihren Worten nicht glauben: "Achte auf dich selbst und bleib' so wie du bist!" Sie hatte immer Glanz in ihren Augen gehabt, ein besonderes Lachen und eine große Leichtigkeit, die ihres Gleichen sucht.

Heute, Jahre später, erinnerte ich mich daran, und ich stellte mir selbst die Frage: "Wann bist du glücklich gewesen?" Es gab viele besondere Momente, meistens wenn im Haus, das meine Frau und ich gebaut hatten, etwas Schönes aus eigener Kraft und durch eigenes Handanlegen entstanden war, und ich sah, wie sich meine Frau darüber freute. Glück hatte bei mir demnach zu diesem Zeitpunkt offenbar oft mit Geben zu tun, so als ob man jemandem etwas schenkt. In früheren Jahren war das anders gewesen. Die Umstände sind damals auch andere gewesen und einfacher: kein Haus, kein Kind, kein Stress im Beruf. Damals, vor vielen Jahren freute ich mich immer jeden Tag besonders auf den Feierabend. Pünktlich gehen und ganz schnell nach Haus fahren! Ich liebte es, Zeit mit meinen geliebten Menschen zu verbringen, und ich konnte es Tag für Tag kaum erwarten. Dieses, mein Glück, das ich in früheren Zeiten verspürte, hatte viel mehr mit Nehmen zu tun, wenn ich heute zurück blicke. So wünschte ich mir schließlich für meine alte Freundin, dass sie es gelernt hätte, ein bisschen mehr zu Nehmen.

© Lukas_Berlin