Mein erster Berg

Ich liebe Camping. Hab ich schon immer und werde ich ziemlich sicher auch immer. Draußen sein, ungestört und im Einklang mit der Natur. Wandern - also ich rede hier nicht von spazieren, sondern wirklichen Touren auf Berge - mochte ich trotzdem nie so wirklich. Das musste ich erst in den letzten Jahren für mich entdecken. Mein erstes bezwingen eines halbwegs ordentlichen Berges war - natürlich - ein absoluter Reinfall.

Mein Freund liebt die Berge - es vergeht kein Tag, wo er nicht irgendwo rauf läuft. Ja … läuft, gehen kann man das nicht mehr nennen. Umso nervöser war ich natürlich, als ich zusagte auch mal mitzugehen. Es war ein 30. Dezember, aber es lag noch kein Schnee und die Sonne schien - also kein Problem, versicherte er mir. Er hatte ja auch extra einen Berg ausgesucht, der für Anfänger geeignet ist und für welchen wir auch nicht all zu lange brauchen würden. Deshalb würde es auch vollkommen reichen erst um kurz vor zwölf loszugehen. Heute weiß ich, dass es meinem Freund schwerfällt die Schwierigkeit einer Tour für Anfänger einzuschätzen. Wie man sich schon denken kann, war die Tour nicht einfach und wir waren auch nicht schnell oben. Im Gegenteil, wir kamen nie oben an.

Ich hab mich eigentlich sehr tapfer geschlagen und das trotz null Kondition und Trittsicherheit. Wer mich kennt weiß: ich bin ein absoluter Tollpatsch. Ich hab meine Anstrengung mit Scherzen überspielt. Als wir dann aber irgendwann auf mehr als nur ein bisschen Schnee trafen, fand ich die ganze Sache schon weniger lustig. Mein Freund hatte sich mittlerweile mehr als einmal entschuldigt und schaute immer wieder reumütig auf mich zurück. Ihm ist jetzt auch schon aufgefallen, dass er die Tour ein bisschen unterschätzt hat. Nach einigen Stunden - keine Ende war in Sicht - schlägt er sogar vor umzudrehen. Leider Gottes bin ich nicht nur ein Tollpatsch, sondern auch ein unglaublich großer Sturkopf. Umdrehen? Aber sicher nicht. Ich stoße zwar an all meine Grenzen und weiß gar nicht wie ich meine Füße noch heben soll, aber ich drehe sicher nicht um. Wir stapfen also weiter und weiter und weiter. Und dann … Dunkelheit.

Hatte ich schon erwähnt, dass es Winter war? Na ja, komischerweise ist es da nicht so lange hell. Es wird also dunkel, schnell. Eine Zeit lang siegt mein Sturkopf noch und wir gehen weiter bis uns endlich klar wird, dass jetzt auch die Stirnlampen nicht mehr für genug Licht sorgen. Wir müssen also tatsächlich umdrehen. Gut, alles wieder zurück. Natürlich rutsche ich zum Abschluss noch aus und knicke meinen Knöchel so stark um, dass ich nicht mehr aufsteigen kann. Wir humpeln eine gefühlte Ewigkeit den Berg hinunter, im Dunklen. Ich hab mich noch nie so gefreut unser Auto zu sehen. Ab nach Hause.

Meinem Knöchel geht es wieder gut und den Berg habe ich im Jahr darauf auch ohne Probleme und ohne Dunkelheit bezwungen.

© Lumos