Mantra.*

Alles riecht als wäre die Luft gewürzt, mit jeder wesentlichen Essenz dieser Welt. Es ist heiß und feucht. Das Fremdartige berührt mich sofort und ist lebendig, laut und überall, selbst in der Nacht. Unmöglich sich nicht einzulassen, es ist ja so nah. Ein fragender Gedanke "wie hier sein für die nächsten Wochen?", taucht auf während ich aus dem Taxi steige. Ich bewege mich suchend, orientiere mich neugierig und brauche Zeit für meine Landung. Zwei Nächte später, auf dem Bahnhof, reihe ich mich in die Warteschlange der Frauen ein und hier, auf der öffentlichen Latrine, komme an. Namaste, InDia.

Bald das erste Strandfoto, von der Klippe oben. Auf dem Bild erkenne ich einen Ertrunkenen, oh mein Gott, er ist mir hineingeraten. In der Nacht sucht er mich heim. Er stellt sich links in die Ecke. Ich sehe ihn und spüre, ein Windhauch, die Grenze zwischen der einen und der anderen Welt, sie fließt... Mein Atem stockt, wie wach ich bin. "Geh weg", sage ich still. "Ich bin nicht von hier. Ich bin eine Fremde, genau wie du." Er ist ein "foreigner", haben die von hier gesagt. Seltsam, das verbindet uns, das fremd sein, nicht von hier, das sind wir. Er geht und lässt mich. Ich bleibe, ganz, allein, schlaflos und atme wieder.

Am nächsten Tag erfasst mich die mächtige Wellenkraft, das Meer. Ich versinke sanft, doch unaufhaltsam, bin auf einmal mitgenommen. Die Zeit vergeht wie unendlich und still. Ich höre nichts. "Feel the emptyness within", sagt mein Yogalehrer. Ich fühle sie. Jetzt. "The emptyness" füllt mich aus und bebt in mir, so ruhig bin ich. Ganz leer. Das kann ich, unter Wasser warten, bis es mich wieder trägt, nach oben spült und die nicht gemachten Atemzüge zählen, und merke, das ich denke. So lange bin ich da. Der Boden kommt mir wild entgegen, und mit ihm das Zittern in den Beinen. Ich spüre Prana, Lebenshauch und bin erfüllt, als wäre Nichts. Es ist ja Nichts.

An der Grenze zwischen Strand und Welle stehe ich wieder. Aufgerichtet. Hier bin ich am liebsten und sicher. Sie hat mich ausgespuckt, die unendliche Welle, zurück zu den Menschen. Ich spüre ihre Kraft in mir und bin. Ein Hin- und Her, ein Kommen und Gehen ist das, ein ewiger Tanz, der mich wiegt. Ich lasse mich sein, in dieser Bewegung, bleibe fest und nehme wahr wie weich es ist, dieses atmende Wesen, ich.

Die Sonne vergoldet am schönsten bevor die Dunkelheit anbricht. Jetzt spielen alle, sind Kinder und endlich "ewig", ganz bei sich, daheim. Hier ist niemand fremd, wir wissen, was wir sind, ein menschliches Land, ein Land des Lebens..."Every body is god`s own country"

Mein Mantra.

Der letzte Sonnengruß.

Bestimmt.

Nichts ist.

Für immer.

3...2...1...

Shavasana.**

*heilige Silbe, heiliges Wort oder heiliger Vers. „Klangkörper“ einer spirituellen Kraft, die sich im Diesseits manifestieren soll.

**Die "Totenstellung " ist die abschließende Entspannungshaltung am Ende jeder Yogapraxis.

© Luna