Amsterdam, wo warst du?

Amsterdam ist eine wunderschöne Stadt! Leider habe ich nichts davon gesehen. Das Meiste, woran ich mich erinnern kann, ist der Wahnsinn, der sich zwischen den vier Wänden unseres abgeschmuddelten Hotelzimmers abgespiet hat:

Die Luft ist zum schneiden dick, vom Qualm der Joints kann man keine zehn Zentimeter weit sehen. Das Fenster läßt sich trotz der drückenden Hitze nur einen Spalt breit öffnen. Gnadenlos wälzt der Ventilator die dicke Brühe herum und herum und herum…

Als die Toilette mit mir zu sprechen beginnt kann ich bereits das Bett nicht mehr verlassen. Ich muss pinkeln, aber ich kann nicht aufstehen. Ich will etwas sagen, aber ich musst lachen, noch bevor ich den Satz zu Ende denken kann. Meine Knie sind aus Pudding. Am Fußboden liegt mein Freund mit zweifach gestreftem Gesicht. Die obere Hälfte ist weiß und die untere dunkelrot angelaufen. Vor geraumer Zeit war er aus dem Bett gerollt und konnte sich nicht mehr erinnern wie man vom Boden wieder aufstand. Ein Käfer am Rücken, festgehalten vermutlich von den schlingpflanzenartigen Teppichmustern, die sich zuckend unter ihm hin und her bewegen. Ich lache mich fast tot und finde es eigentlich total erschreckend.

Zehn Stunden sind wir schon in dem Zimmer. Vielleicht habe wir die Magic-Mushrooms vor etwa drei Stunden gegessen? Zeit geht in Amsterdam schnell verloren und bekommt erst wieder Bedeutung, wenn man dringend aufs Klo muss, und nicht kann. Über mir tobt ein Wirbelsturm an der Decke, der mich in sich hinein zu ziehen versucht. Nur nicht hinschauen! Dann hat er dich! Nur nicht zu lange hinschauen!

"Jetzt kann ich mein Leben vergessen!", denke ich träge und lege mir Worte zurecht, mit denen ich all das meinen Eltern erklären könnte. Die Logik hängt sich aus! Wie kann ich etwas erklären, wenn ich nur lachen kann?

Im Spiegel erkenne ich mein Gesicht nicht mehr. Ich sehe aus wie eine kleine Waldelfe mit riesen Augen, spitzen Ohren und schrägen Wangenknochen. Bin ich das noch?

Mein Freund ruft mir vom Boden aus zu: “Ich nehme nie mehr was! Nie mehr!“

Stunden später sitzen wir erschöpft und verwirrt am Wasser eines kleine Kanals und schauen den Booten zu …….und rauchen. Joints natürlich, wir sind ja immerhin in Amsterdam!

© LunaPetunia