Jene, die zu früh gehen...

Es gibt Menschen, die gehen zu früh! Zumindest empfinden es jene so, die sie zurücklassen.

Drogen nahmen mir Freunde! Drogen nahmen Familien ihre Kinder! Drogen nahmen Liebenden ihre Liebsten und ließen gebrochene Herzen zurück.

Und das in unserer Zeit? Wir sind doch nicht in den wilden 60er Jahren!

Mit etwa 16 ging ein Freund, den ich von der Hauptschule weg kannte. Ich erinnere mich an ihn als einen sehr lieben, hübschen Jungen. Er hat mir einen geschliffenen Stein geschenkt, er war ein wenig in mich verliebt damals und einmal haben wir uns geküsst. Als ich ihn zum letzen Mal sah, war er verwahrlost, lebte in Graz auf der Straße und nahm Drogen. Er bat mich um nichts, ich wollte ihm Essen kaufen, aber er wollte nur Chips und Cola. So saßen wir im Stadtpark und redeten über alte Zeiten und lachten und er tat mir so unendlich leid, mit seinen immer traurigen, blauen Augen. H. wurde tot in einer öffentlichen Toilette gefunden. Überdosis!

Einige Zeit danach hörte ich von einem anderen Freund, der von Graz nach Deutschland gegangen war, bei einem Entzugsprogramm mitmachte und trotzdem ging. Wegen ihm hatte ich mir einmal ein ganzes Fußballspiel angesehen, und ich bin ein richtiger Anti-Fußball-Fan. Da war ich etwas verliebt, durfte meinen Kopf an seine Schulter lehnen und seinen Duft genießen. T. roch immer so gut! Wir waren Freunde, trafen uns fast einmal die Woche, oft durfte ich bei ihm übernachten. Er schlief in meine Arme gekuschelt und ich konnte nicht schlafen. Nie werde ich sein entzückendes Lächeln vergessen, das unter den weichen, blonden Haaren hervor blitzte...

Davon wie E. ging, kann ich nicht erzählen. Es schmerzt mich sehr und es ist noch zu Nahe. Ich kannte sie schon von klein auf, wir spielten als Kinder miteinander. Es fühlt sich an, als hätte ich eine kleine Schwester verloren, denn zu dieser Zeit, als wir noch Kinder waren, gehörten wir alle irgendwie zusammen. Meine Geschwister und ich, wie ihre Geschwister und sie, alle ein bunter, fröhlicher Haufen Kinder. Ich kann nicht an die Zeit zurück denken, ohne sie darin, und ihre Familie hat einen besonderen und großartigen Menschen verloren. E. wird immer in unserem Herzen sein!

Nach dem Begräbnis trafen wir alle zusammen, um noch an sie zu denken und einander zu trösten. Viele Freunde waren gekommen und viele Fotos und Erinnerungen brachten sie mit. Als ich durch die Allee hinauf zu dem kleinen Cafe auf dem Hügel ging, glitt ein Windstoß durch die blühenden Bäume. Er riss zärtlich viele rosig-weiße Blütenblätter davon und wehte sie wie einen letzten Gruß über die Wiese, über die Köpfe der Menschen, über die Trauer hinweg. Ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige war, die es als Zeichen gesehen hat. Lebe Wohl! Vielleicht sehen wir uns in einem anderen Leben wieder!

© LunaPetunia