Konzert im Wohnzimmer

Unser Freund "Herodin" (Herwig Rogler) ist Musiker. Er singt und schreibt seine Lieder in Mundart und spielt wunderschön auf der Gitarre. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt damit Konzerte in Wohnzimmern zu geben. Seine Frau und die Kinder muss er für die Dauer der Tour ein Weilchen verlassen, dafür ist er gern gesehener Gast in vielen Häusern, so auch in unserem. Den ersten Auftritt den er bei uns hatte genossen wir in vollen Zügen. Nicht nur, dass Cristian Gruber "Lautdenker" erstmals einige Songs präsentierte, bevor Herodin sein Programm begann, sondern auch ich selbst sang einige meiner eigenen Nummern, begleitet von meinem Keyboarder Fino, um den Abend ausklingen zu lassen.

Natürlich luden wir viele Freunde ein, damit genügend Lohn für Herodin zusammen kam. Sein Honorar stellt sich je nach Gutwillen der Zuhörer zusammen, die mal mehr, mal weniger Euros in seinen Hut schmeißen. Da wir am Lande wohnen, hatten wir nicht sehr viele Zusagen. Viele unserer Freunde sind weit verstreut und die hiesigen sind von so wilden Angeboten und Ideen ein wenig irritiert, habe ich den Eindruck. Dann luden wir noch unsere Freunde unter den Asylwerbern ein, vor allem jene, die uns im Sommer so viel im Garten geholfen hatten und mit denen wir gemeinsam Deutsch lernten. Wir rechneten nicht mit viel Andrang, da sie sich mit der Sprache der Songs schwer tun würden.

Als es dunkel wurde war unser kleines Wohnzimmer mit dreißig Leuten gefüllt! Wie sie alle Platz fanden, das weiß ich beim besten Willen nicht! Alle schienen sich wohl zu fühlen, die Musik kam super an. Sogar in Syrien! Mit dem Handy hatten einige Freunde eine Live-Übertragung nach Hause eingerichtet, um ihre Freude über die Einladung und die Musik mit ihren fernen Familien zu teilen.

Herodins Lieder und sein emotionales Spiel auf der Gitarre war uns tief ins Herz gedrungen. Ich war unglaublich gerührt über die glücklichen Gesichter. Sogar die Kinder blieben bis zum Ende wach.

Als die Gäste uns verlassen wollten, war es nur schwierig wieder die richtigen Schuhe zu finden, die sich in der kleinen Garderobe kreuz und quer zerwürfelt hatten. Ein gelungener Abend und ein unvergessliches Erlebnis. Es sollte nicht das einzige Wohnzimmerkonzert bleiben, aber das erste Mal bleibt immer am meisten in Erinnerung. Danke, Herodin! Und viel Erfolg weiterhin mit deiner schönen Musik. Wir sehen uns bald wieder...

© LunaPetunia