Oh, du lehrreiches Spanien!

Unsere erste gemeinsame Reise, die war vor 12 Jahren! Ach, was waren wir jung! Tramper Rucksäcke rauf, mein erster Flug, ab nach Spanien. Verliebt und abenteuerlustig checkten wir in Barcelona in einem Jugendgästehaus ein und schlenderten durch die schöne, abendliche Stadt. Ich kaufte mir bunte Tücher und wollte noch eine Kette dazu erstehen, als ein lauter Pfiff durch die Reihen der Verkäuferinnen gellte. So schnell konnte ich den Kopf nicht wenden, da hatten sie bereits ihre großen Tücher an langen Schnüren zusammengezogen, geschultert und rannten hakenschlagend, als wäre der Teufel hinter ihnen her, zwischen den Häusern davon. So lernte ich etwas über illegale Warenverkäufe in Spanien.

Morgens, erfrischt aufgewacht und nach einer Dusche (in einem schimmeligen Verschlag ohne Belüftung, voller Kopf, Achsel und abrasierter sonstiger Haare der Vorduscherinnen), bemerkte ich das Fehlen meines Reisepasses. Die Hälfte unseres Zimmers war über Nacht ausgeraubt worden. Mein Pass sogar aus einem verschlossenen Spind, der danach offensichtlich wieder versperrt wurde. Sechs Personen hatten in dem Zimmer geschlafen und niemandem ist etwas aufgefallen. Dennoch waren drei Reisepässe,Bargeld und ein Handy weg. So lernte ich etwas über die Sicherheit und die Vertrauenswürdigkeit von spanischen Jugendherbergen.

Einer der anderen Österreicher, der auf seinen verschwundenen Wertgegenständen geschlafen hatte, denn sie waren unter seinem Kissen, begleitete uns mit zur Polizeistation, die uns die Jugendherberge (bedauernd ob des unerklärlichen Zwischenfalls) empfohlen hatte. Mein Freund sprach sehr gut Spanisch, daher erklärte er dort, was geschehen war und las uns danach das Protokoll vor, mit dem wir unsere provisorischen Reisepässe anfordern konnten: "Nach langem Feiern hatten die sechs Freunde aus Österreich nicht bemerkt, wie ihr Zimmer ausgeraubt wurde. Vermutlich war Alkohol im Spiel und das Zimmer nicht ordnungsgemäß verschlossen." Keiner von uns hatte diese Aussage gemacht, die Pässe bekamen wir trotzdem. Es kostete uns nur das Geld für die Passfotos und stundenlanges Warten in einem kleinen Amtsgebäude ohne Klimaanlage. So lernte ich etwas über die Arbeit der spanischen Polizei.

Auf der Flucht vor dem Unglück bringenden Barcelona stiegen wir zwei dann in den nächsten Zug, der uns aus der Stadt bringen sollte. Einfach raus, und irgendwo aussteigen, wo es nett aussieht! Sant Pol de Mar hieß es dort und das Meer war herrlich. Um den ersten Felsen gewandert, auf der Suche nach einem Platz zum Bleiben, erspähten wir ein nacktes schwules Paar, das sich von einem Dritten beim Liebesspiel beobachten ließ und gingen rasch weiter. Hinter dem nächsten Felsen wurden wir gefragt ob wir Hasch kaufen möchten. So lernte ich etwas über die Freizügigkeit an Spaniens Stränden.

Und ich lernte über mich und meinen Freund, dass wir viel lachen konnten, auch wenn das Leben manchmal überraschend war.

© LunaPetunia