Schulschluß Party

Wir trafen uns ganz traditionell, am letzen Tag nach der Zeugnisvergabe, in Graz bei den "Eustachio Gründen" zur alljährlichen Schulschluß-Party. Das Gebiet war ruhig, zwischen Bäumen kleine Weiher, Spazierwege und die Wiese, auf der wir unsere illegalen Feste feierten.

Eine Party hatte ich ja versäumt, dank Mopedunfall (siehe: "Was mit 16 wichtig ist..."), aber diesmal war ich von Beginn an dabei. Und es sollte wieder mal legendär werden!

Beim Aufbau der Zelte inhalierten wir zum Zeitvertreib Butangas. Ich mochte das nicht so gern, machte aber mit. Den Druck der Peergroup darf man nicht unterschätzen! Die Gefährlichkeit dieser Baby-Droge war uns allen nicht ganz klar. Ich bekam davon sowas wie das "Fortuneteller-Syndrom" und konnte mit beängstigender Genauigkeit vorhersagen, was in den nächsten Minuten passieren würde. Nicht gut für die Psyche!

Zu späterer Stunde tranken wir. Alles was da war, alles kreuz und quer gemischt, alles was irgendjemand mitgebracht hatte. Meine Leute tranken immer viel und ich war keine Ausnahme. Schlechten Einfluss will man in diesem Alter einfach nicht erkennen!

Gegen Mitternacht entschloss ich mich zu einem kleinen Spaziergang und watete barfuß durch das kniehohe Wasser eines ruhigen Teiches. "Wir müssen sie retten! Schauts! Sie bringt sich um...", hörte ich vom Ufer meinen Freund nach den Anderen rufen. Schon waren sie bei mir, schleppten mich aus dem Wasser, stolperten, zerrten mich weiter und ich war naß bis über beide Ohren! "Seid ihr wahnsinnig!", schimpfte ich. "Ich wollte nur ein wenig Ruhe!"

In den Schlafsack gehüllt legte ich mich nackt in mein finsteres Zelt zum ausnüchtern und nickte rasch ein. Meine Kleider hingen beim Lagerfeuer zum Trocknen.

Geweckt wurde ich von lautem Geschrei: "Die Bullen sind da! Macht das Feuer aus!" Ich öffnete das Zelt, hüpfte im Schlafsack hinaus und stand direkt zwei Polizisten gegenüber. Hinter mir schälte sich verschlafen und stockbetrunken mein Freund aus dem Zelt. Er sah die beiden an, lachte lauthals und lallte: "Geil! Was habts ihr denn für witzige Kapperln auf!"

Mein Blick wanderte zum Lagerfeuer. Da standen zwei Jungs, die meine Kleidung in die Flammen warfen, um sie damit zu ersticken! Unglaublich!

Die Polizei begnügte sich damit, dass wir das Feuer löschten und zog mit einer Verwarnung wieder ab. All die Namen der besoffenen Jugendlichen zu notieren, geschweige denn sie in dem Gelände zu finden, war ihnen vermutlich zu viel Arbeit.

Morgens stand eine kleine Restalk-Gruppe am Jakominiplatz im Regen. Darunter ich, meinen Schlafsack als Regenschirm um Kopf und Schultern gelegt, nur einen Schuh an und in geborgter Kleidung von verschiedenen Leuten, die ich nichtmal alle kannte. Und ohne Unterwäsche!

"Okay dann... bis bald!", und jeder trabte in eine andere Richtung nach Hause. Zum Glück waren die Sommerferien immer lang genug, um sich von der Schulschluß-Party wieder zu erholen!

© LunaPetunia