Sehr nett hier im Raumschiff!

Mussten Sie sich schon einmal geplant operieren lassen?

Wer das mit Ja beantwortet, kennt die nervenaufreibende Prozedur: Einchecken ins Krankenhaus, Voruntersuchungen und Aufklärungen, Unterschriften und Einwilligungen. Ich war bereit!

Mein Finger war gebrochen und wollte seit einem Jahr nicht wieder korrekt ausheilen. Er stand schief. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich nicht glauben, wie sehr so ein einzelner störrischer Finger den Alltag behindern kann. Als Rechtshänderin an der rechten Hand um so mehr! Den Ehering konnte ich nicht mehr tragen, die Hand passte in keinen Handschuh, aus meinen Hosentaschen konnte ich nichts heraus ziehen, da das geschwollene Gelenk immer hängen blieb. Ich hatte keine Kraft, das Buttermesser flutschte mir regelmäßig aus der Hand, eine Faust war nicht möglich und kleine Gegenstände konnte ich sowieso nicht halten. Mit der Linken Hand kann man ja wunderbar kompensieren, aber nur wenn es um grobe Dinge wie "sich den Hintern auswischen" geht.

In Wien entschieden sie, mir für den Eingriff nur den Arm zu betäuben, damit ich bei der OP wach sein konnte. Der Anästhesist wedelte mit dem schlaffen Arm vor meinem Gesicht herum und lachte:"Witzig, oder? Man glaubt gar nicht, dass es der Eigene ist!" Ich lachte auch, erkannte meine Hand jedoch nur an dem verrenkten Ringfinger. Ich fühlte garnichts! Bis auf ein kribbelig, irres Glucksen und Kichern in mir. Ich wusste ja, dass man "Etwas" bekommt um nicht so nervös zu sein, aber bei meinen anderen OPs war ich immer komplett ausgeblitzt. Dieser Zustand hier war mir neu!

In einem Raumschiff voller blinkender Geräte warteten mein Arzt und seine Kumpels, um mich ein wenig aufzuschneiden. Sie breiteten ein grünes Zelt über mir aus, um daraus ein Geheimnis zu machen. Der Oberdoktor war sehr nett und versuchte mir alles zu erklären. Meine ausgeprägten Anatomiekenntnisse ließen Bilder vor dem geistigen Auge entstehen, weit farbenprächtiger als in den Büchern.

"Alles in Ordnung, Frau S.?", höre ich den Doc fragen. "Jaja, danke! Aber sie nuscheln so und jetzt habe ich den Zwischenteil nicht verstanden. Könnten sie das bitte nochmal machen? Ich muss mich hier ganz schön konzentrieren!" Eine breit grinsende Frau Oberschwester guckt hinter dem Zelt hervor: "Danke! Das sagen wir ihm auch immer, aber er hört nicht auf uns!"

Die IKEA-Uhr an der Wand ist die Selbe, die ich auch in meiner Küche hängen habe. Ich fühle mich ganz wie zu Hause! Sehr nett, dass die hier auf solche Details achten um die Patienten zu beruhigen.

Ein kleines Ärztchen stellt sich bei mir vor. Er ist noch in der Ausbildung hier auf dem Raumschiff. Das Nähen soll er übernehmen. Dabei weiß doch jeder, dass Männer nichtmal einen Knopf selber annähen können! "Na, wie hat er das gemacht? Alles bestens, Frau S.?" fragt der Oberdoc mich wieder. "Ja, Danke! Wenn ich könnte würde ich jetzt klatschen, aber mit nur einer Hand geht das nicht!" Ich versuche es mit den Füßen, aber alle lachen nur.

© LunaPetunia