Maschinengewehr imaginär

Wie kann man diesen Tag nur so abgrundtief hassen? Hier sind doch alle ausgesprochen "Happy" und Küsse fliegen durch die Luft, wie die Herzchenballons, die gerade irgendjemand Aussergewöhlicher seiner über alles Geliebten von der Murbrücke aus steigen hat lassen. Ich fühle mich zum kotzen! Leise ziehe ich mein imaginäres Maschinengewehr aus den Falten meines Parkers und feuere in die roten Herzchen, die da zu den Wolken hoch schweben, und höre sie in grimmiger Genugtuung mit lautem Knall zerplatzen.

"Mach nicht so ein böses Gesicht!,"sagt meine beste Freundin neben mir. Aber es ist erst zwei Tage her, dass ich verlassen wurde. Enttäuscht und ungeliebt und ohne romantisches Date durch diese verfluchte, verliebte Stadt laufen muss. Aus der Tasche nehme ich meine Geldbörse, aus der Geldbörse nehmen ich sein Foto und aus meiner Hand segelt es unwiederbringlich hinunter in die Wellen der Mur. Und mit ihm ein kleines bisschen von meiner Trauer und mit ihr ein wenig von meinem Hass auf Valentinstage, Verliebte und glückliche Menschen. Meine Freundin nimmt meine Hand, die nun leer ist, und füllt sie mit Liebe. Mit unvergänglicher, freundschaftlicher Liebe.

Das wusste ich damals nur noch nicht. Damals hielt ich in der anderen Hand immer noch das Maschinengewehr, um mir im Notfall den Weg bis zur Bushaltestelle "frei zu schiessen".

© LunaPetunia