Was mit sechzehn wichtig ist...

Wenn du sechzehn Jahre alt bist, dann ist das Leben eine unglaubliche Geschichte. So wie damals, als ich mit dem Moped in die Stadt fahren wollte. Das dauerte lange, denn meine Puch MV50 war alt und sie hatte ihre Macken. Die alljährliche Schulschluss-Party stand an und ich durfte natürlich nicht fehlen. Also Rucksack gepackt und los! Eine Stunde Fahrt mit 45km/h, aber dabei blieb es nicht. Wenn das Moped wollte, dann fuhr es brav, aber wenn es ihm gerade nicht passte, dann fuhr es unverhofft nur 10km/h und dann plötzlich wieder schneller. Ich ignorierte es! Ich wollte nur zur Party und "raste" in wildem Wechseltempo weiter dahin.

Da kam die enge Abwärtskurve und ein Auto kam entgegen. Ich fuhr gerade aus, statt in die Kurve, denn das langsame Tempo das ich vorgab hielt mein Moped nicht ein. Es beschleunigte in der Kurve und ich landete mittig in einem weißen PKW. Ich flog in die Windschutzscheibe, rollte seitlich an der Fahrertüre herab und landete stehend mitten auf der Straße. Die Hände über dem Kopf erhoben winkte ich dem nächsten herankommenden Auto zu, das wenige Zentimeter vor mir zu Stehen kam. "Nichts passiert!", beteuerte ich benommen und wankte an den Straßenrand. Irgendwo waren Stimmen und eine Sirene, jemand setzte mich auf die Leitplanke. Da begann ich zu weinen, denn mein Moped sah aus wie eine Kugel. Dann weinte ich noch etwas mehr, denn meine Lieblingsjacke war vorne voller Blut. Wie sollte ich das jemals wieder heraus bekommen?

Ein Krankenwagen lud mich ein mitzufahren. Ich beantwortete mechanisch irgendwelche Fragen und wählte mit dem Handy die Nummer meines besten Freundes:"Hy! Ja, ich bin unterwegs, aber ich schaff es heute glaube ich nicht mehr zur Party!"

Meine Eltern kamen Stunden später ins Krankenhaus, verständigt von Freunden, die mein Moped und meinen Rucksack am Straßenrand wiedererkannten.

Ärzte nähten gerade mein Kinn, nachdem sie Glassplitter daraus enfernt hatten. Ich sah nichts davon, denn auf meinem Gesicht lag ein Tuch, das nur die untere Hälfte frei ließ. Dann wurde ich mit der Liege in eine Ecke geschoben um auf eine Schwester zu warten, die mich in mein Zimmer bringen sollte. Sie schlossen einen Vorhang um mich, es wurde leise und finster und ich wartete. Lange! Vielleicht schlief ich auch ein wenig ein, das weiß ich nicht so genau. Plötzlich wurde es Licht, eine verlegene Frau fasste an mein Bett und sagte: "Entschuldigung, auf Sie hatten wir jetzt ganz vergessen!"

Ich verbrachte die Nacht im "Raucherkammerl" (ja, das gab es damals noch in Krankenhäusern!), da ich nicht schlafen konnte. Immer sah ich mich in das Auto rasen, dann das Kreuz an der Wand gegenüber meines Bettes. Die hundert Kilo Frau, die mit mir das Zimmer teilte, schnarchte wie ein Seehund.

Mein bester Freund war am Nachmittag noch zu Besuch da gewesen. Er hatte ein Foto mit dem Handy gemacht. MIt dem Verband am Kinn,sah ich aus wie ein winziger Weihnachstmann. Das war für die Party, damit ich "wenigstens so" mit dabei war. Na, danke!

© LunaPetunia