Wenn du helfen kannst...

...dann vergiss nicht es zu tun!

Ich bin als Christin erzogen worden, aber nicht als Gläubige. Das Helfen, das Zusammenhalten, die Güte des barmherzigen Samariters, war wichtig. Das habe ich mir bewahrt und gebe es an meine Kinder weiter. Als Vorbild! Nicht im Rahmen einer Religion.

Wenn ein Bettler vor dem Hofer sitzt, ein Mensch der sich erniedrigt um ein wenig Geld zu bekommen, gehe ich hin. Gerne machen es meine Kinder, die dann eine Münze in den Becher werfen. Ich gehe trotzdem noch hin, gebe dem Menschen die Hand, lege die zweite noch darauf und schaue ihm in die Augen. "Alles Gute!" ist mein Wunsch, den ich auch sage.

Ein Mann hat nach einem längeren Gespräch mit mir 100Euro bekommen. Er hatte schlechte Schuhe und stand, saß oder kniete den ganzen Tag im Schnee um ein wenig Geld zu verdienen. Er bringt es seiner Familie mit und in einem Monat sehe ich ihn wieder, an der gleichen Stelle. Was kostet es mich? Vielleicht, dass ich mir nicht die neuesten Schuhe kaufe im Sommer, meinen Kindern weiterhin die Second-Hand Kleidung anziehe, aus der sie ohnehin bald raus wachsen, und das ich meine Arbeit mache, bei der ich immer noch genug verdiene! Was kostet es uns wirklich ein wenig zu Helfen? Oft ein paar Münzen, manchmal etwas Zeit!

Als immer mehr Menschen in unserer Straße in großen Asylunterkünften verschwanden, gemieden von den misstrauischen Nachbarn, gründeten wir eine kleine Deutsch-Lern-Gruppe. Manche waren schon ein halbes Jahr hier, bevor wir in die Straße zogen, ohne einen Kurs besuchen zu können. Am Land, da gibt es nicht so einfach Deutschkurse überall. Also zeichneten wir mit Straßenkreide das Alphabet auf den Parkplatz. In unserer Sprache und mit den Arabischen Buchstaben dazu. Hüpfend von Laut zu Laut lernten wir voneinander. Dazwischen die Kinder, die ihre Freude daran hatten. Als am Abend mein vierjähriger, blonder, weißhäutiger Sohn auf einer Picknickdecke saß und mehreren sehr dunklen, kräftigen arabischen Männern die Bilder auf seinen Pippi Langstrumpf Memory-Karten erklärte, weinte ich ein wenig.

Von da an waren wir viel dort. Wir versuchten eine Klasse einzurichten, mit Papier, Drucker, Büchern. Leider wurden uns viele Steine in den Weg gelegt und wir lernten, wie schnell sich Menschen am Unglück anderer bereichern. Da wurde Geld verschoben und behalten, das eigentlich den Asylwerbern zustand. Da mussten viele freiwillige Helfer ran, weil andere sich umdrehten, wo sie eigentlich zuständig gewesen wären.

Als wir ein Frühstück im öffentlichen Raum organisierten, waren auch die letzen schüchternen Nachbarn dabei. Sie brachten Brot und Marmeladen, setzten sich dazu und lauschten den Musikern, die sich unsere Gitarre schnappten und ihre Heimat ein Stück weit zu uns trugen. Ich habe viel Gutes erlebt in dieser Zeit und große Dankbarkeit.

Nenn mich Gutmensch, diese Feder steck ich mir gerne an meinen Hut! Denn das Gegenteil davon wäre der Bösmensch, und der will ich ganz sicher nicht sein!

© LunaPetunia