Auf Fels gebaut

Über zehn Jahre wohnten wir schon in einer Mietwohnung. Dann beschloss meine Frau, dass wir ein Haus bauen sollen. Wir fanden einen interessanten Baugrund am Ortsrand, etwas steil, aber mit vielen verschiedenen Bäumen, darunter alte Eichen, Lärchen und Ulmen und eine wunderbare Schlehdornhecke. Unsere Kinder spielten mit ihren Freunden besonders gern an einem bestimmten Platz und auch unser Hund hielt sich dort am liebsten auf. Diese Stelle wählten wir, um da das Haus zu errichten.

Zuerst wollten wir einen Brunnen graben. Dazu luden wir drei verschiedene Wünschelrutengeher ein, die uns unterirdisches Wasser anzeigen sollten. Drei verschiedene Stellen hatten wir dann, aber kein Wasser, trotz tiefer Grabungen. Dafür wuchsen in "unserem Wald" Parasol, Rotkappen, Birkenpilze und viele verschiedene Kräuter. Eine große und bunte Schar von Vögeln und eine Igelfamilie wurden unsere Mitbewohner.

Der Aushub des Kellers gestaltete sich schwierig, da der Untergrund felsig war. Nach tagelangen vergeblichem Meißeln mit einem Spezialbagger waren wir gezwungen einen Felsbrocken zu sprengen. Nur wenig Sprengstoff sollte genügen und Abdeckmatten. Doch der Fels hatte unsichtbare Risse und so verlief die Explosion anders als geplant. Felstrümmer wurden hoch in die Luft geschleudert. Der Sprengmeister und ich konnten rechtzeitig in der Bauhütte Schutz finden, bevor die Steine wieder niederprasselten. Aber sonst war die Sprengung erfolgreich.

Doch nach Feierabend zeigte sich die Überraschung. Als wir zu unseren Autos in fast fünfzig Meter Entfernung kamen, lag zwischen den beiden Fahrzeugen ein siebzig Zentimeter großer Felsbrocken. Er muss soweit geschleudert worden sein und hätte locker ein Auto ganz demolieren können. Ein gutes Omen? Es ist tatsächlich beim Bau kein Unglück passiert. Der Hausbau gelang und es wurde mit den Sonnenkollektoren und dem großen Wintergarten ein Pionierbau der damaligen Zeit.

Ein Haus nicht nur zum wohnen, sondern ein Haus zum leben.

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