Donna Quichotta

Viele Jahre betätigte ich mich ehrenamtlich in einer großen Jugendorganisation und betreute 16- bis 17-Jährige. Ein wesentlicher Faktor in unserem Jahresprogramm war "Österreich-unsere Heimat kennenlernen".

Dazu fuhren oder wanderten wir zwei bis drei mal im Jahr in ein Gebiet in Österreich, um dort Land und Leute kennen zu lernen. Einmal waren wir auch im Weinviertel in der Gegend um Retz unterwegs. Auf unserer Wanderung kamen wir auch bei der bekannten Windmühle vorbei. Eine Besichtigung hat uns gereizt, aber die Tür der Mühle war mit einem massiven Vorhangschloss versperrt. Einer spontanen Eingebung folgend zog ich den Autoschlüssel aus der Hosentasche und meinte scherzend: "Meine Damen und Herren, wir betreten jetzt die berühmte Windmühle von Retz. Bitte folgen sie mir". Dann steckte ich meinen Autoschlüssel spasshalber in das Schloss und.....war perplex. Der Schlüssel sperrte. Ich entfernte das Schloss und wir stiegen in die Mühle ein.

Fasziniert bestaunten wir im Inneren die alte Technik aus Holz und genossen dann ganz oben die herrliche Aussicht über das Land. Plötzlich rief einer: "Da kommt jemand!" Eiligst verließen wir das Gebäude und ich schloss wieder ab.

Da kam auch schon schnaufend eine resolute Frau den Hügel herauf. "Was macht ihr hier in der Mühle?" schnauzte sie uns an. "Heute ist geschlossen. Wer hat euch reingelassen?" Be (Bernhard), unser Mann für jede Situation, sprach, seinen ganzen Charme versprühend: "Gnädige Frau, wir wollten die Windmühle besichtigen, aber sie war versperrt." "Aber ihr ward doch drinnen. Ich habe euch doch bei den Gucköffnungen gesehen." "Das ist aber unmöglich. Wir können viel, aber nicht durch eine verschlossenen Tür gehen." "Ihr habt das Schloss aufgebrochen" und sie begann das Schloss gründlich zu untersuchen. Sie fand aber nicht die kleinste Spur einer Gewaltanwendung. Sie schaute uns der Reihe nach an, blickte auf das Schloss, dann wieder auf uns und schüttelte ungläubig den Kopf: "Aber ich habe euch gesehen. Ich spinne doch nicht? Oder doch?"

Wir nickten ernst. Ihre Einladung, uns durch die Windmühle zu führen, gegen eine Gebühr natürlich, lehnten wir mit der Begründung, dass wir noch viel vorhaben, dankend ab. Kopfschüttelnd ging sie mit uns den Hügel hinab in die Stadt und murmelte dabei immer wieder: "Ich habe es doch gesehen, dass ihr drinnen ward, ich habe es gesehen, ich habe es gesehen."

Wirluden sie ein, mit uns einen Heurigen zu besuchen. Es wurde ein vergnüglicher Abend und bald hatte der Wein ihre "Wahnvorstellung" uns in der Windmühle drinnen gesehen zu haben, weggespült.

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