Eine Reise geglückt 4

Nach der "unruhigen" Nacht saßen wir allein beim Frühstück. Die Zeit mit dem Schwager sollte ja ausgenützt werden. Es war alles da, was man nach so einer Nacht zu schätzen weiss. Doch wir waren anders beschäftigt. Am Tisch lagen diesmal auch Zeitschriften, voll mit Bildern, wie wir sie noch nie gesehen haben. Wir haben die Bilder und Sexgeschichten der Pornomagazine verschlungen. Dann kam der Abschied mit viel Tränen. Die Frau wollte uns gar nicht gehen lassen, aber wir wollten weiter.

Bald standen wir wieder mit erhobenem Daumen auf der Strasse. Diesmal mit vollem Bauch und voll neuer Abenteuerlust. Es folgten Tage mit Stehen am Strassenrand, verschiedenen Mitfahrmöglichkeiten, Schlafen im Freien und Hunger. Wir schliefen aber auch in Jugendherbergen und konnten interessante Orte entdecken. Schließlich landeten wir über Rotterdam und Den Haag in Belgien, in Seebrügge. Dort bot uns ein Fernfahrer an, mit ihm auf der Fähre nach England zu fahren. Sein Beifahrer ist krank gewoden und die Fahrt ist sonst sehr einsam für ihn. Spontan sagten wir zu. Er gab uns Gutscheine für Essen und für eine Kabine am Schiff. Die vielen Stunden Wartezeit verbrachten wir am Strand. Dann standen wir nachts an Deck des riesigen Schiffes und blickten in den Sternenhimmel. Wir waren satt und in Hochstimmung. Das erste mal verließen wir das europäische Festland!

Der LKW brachte uns bis nach London. Die Großstadt faszinierte uns. Stundenlang bummelten wir durch die Strassen und Plätze. Nachts schliefen wir außen neben dem Zaun eines Parkes, wo auch schon einige andere Tramper aus ganz Europa lagen. Doch in einer Nacht begann es zu regnen und als wir davon wach wurden, war unser Schlafsack schon mit Wasser vollgesogen. Wir folgten anderen hinein in den Park, wo es Unterstände geben sollte. Da erschien ein Parkwächter mit zwei großen Hunden. Er zeigte auf uns und zwei weitere Pärchen:"Come on with me!" Andere, vor allem Burschen, wollten auch mit. Doch er schrie sie an: "Stop, go, go...." und als sie nicht gleich gehorchten: "Stop. I kill you..." Etwas ängstlich folgten wir ihm. Er führte uns im Park zu einem großen Zirkuszelt. Dort durften wir uns schlafenlegen, mussten aber um 7.00 Uhr wieder draussen sein.

Wir konnten auch die folgende Nacht dort verbringen. Der Parkwächter hatte uns unter Duzenden ausgewählt. Wir waren ca. 20 junge Menschen, die er im Zelt schlafen ließ. Warum wir von ihm bevorzugt wurden, haben wir nie erfahren. An einem Tag, wir waren sehr müde vom Bummeln, legten wir uns im Hydepark im Schatten eines Baumes nieder und schliefen tief. Alls wir erwachten, trauten wir unseren Augen nicht. Wo vorher schöner Rasen war, lagen Flaschen, Becher, Papier, Plastik usw. Wir lagen in einem gigantischen Mülllager. Wie wir später erfuhren, hatte ein Konzert stattgefunden und wir haben alles verschlafen.

Es kam dann die Zeit, dass wir London wieder verlassen wollten.

Fortsetzung folgt

© maerchograph