Eine Reise ins Glück 5

Am Trafalger Square fragte ich in der Information, wie wir schnell in den Süden kommen. "With ship, train, aeroplan" bekam ich zur Antwort. Meinen Einwand, dass wir nur trampen wollen, ignorierte der Mann. Aus Wut warf ich meinen Rucksack auf den Boden und schimpfte laut. Schon waren wir von Menschen umringt. "Can I help you?" fragte ein Gentleman und er half uns weiter. Wir erreichten eine Strasse, wo wir stoppen konnten.

Die längste Strecke bis Dover fuhren wir mit einem Kleinlaster mit. Jenny vorne beim Fahrer, ich hinten auf der Ladefläche umringt von Käfigen mit Hühnern. Er raste die Steilküste nach Dover hinab, bremste immer wieder abrupt und rief lachend: "Quick stop!" und die Hühner gackerten dazu. Er brachte uns aber unversehrt bis zur Fähre. Die Überfahrt war schrecklich. Wir saßen die ganze Nacht auf einer Bank und ich war fürchterlich seekrank.

In Calais wehte ein kalter Wind. Eingemummt standen wir da, niemand blieb stehen. Wir mussten zu einer List greifen. Jenny zog sich um. Mit dem roten Minikleiderl, den langen Beinen und den schwarzen Haaren zog sie jedes Auto an. Viele allein fahrende Lenker machten ihr durch Gesten eindeutige Angebote und wollten nur sie mitnehmen. Sie lehnte ab. Ich versteckte mich und als wieder ein Auto stehen blieb, sprang ich als erster hinein. Das gefiel dem Mann nicht sehr, aber er nahm uns dann trotzdem mit. Ständig richtete er seine Blicke auf Jenny, er zog sie förmlich mit den Augen aus und was er dabei dachte, war unschwer zu erraten. Aber er brachte uns immerhin fast bis nach Paris, wo er daheim war. In einer sehr billigen Absteige bezogen wir ein kleines Zimmer. Im Supermarkt erstand ich billig eine Flasche Wein und Brot. Morgen sind wir in Paris, das muss doch gefeiert werden! Paris!

Am nächsten Tag hatten wir Glück. Studenten aus Amerika nahmen uns mit in die Stadt. Sie zeigten uns viel Interessantes von Paris, leider nur vom Auto aus, aber dafür sahen wir sehr viel.

Jetzt waren wir bereit für den kürzesten Weg nach Hause, heim nach Österreich. Marseille strichen wir. Ein Schweizer nahm uns mit, riet uns aber, über Deutschland zu stoppen, da die Schweiz tramperfeindlich sei. Er schenkte uns noch 5 Franken. Nach wenigen Tagen erreichten wir einen Ort nördlich von Linz und wollten noch hinauf in den Norden des Mühlviertels zu Jenny`s Eltern. Es war aber schon spät und kein Auro fuhr mehr. Wir mussten kurz vorm Ziel übernachten. Ich schlug mein Lager neben einem Holzstoß auf. Jenny fühlte sich durch die einsetzenden Menstruation nicht wohl. Sie fand ein altes Ehepaar, das sie im Haus schlafen liess. Sie musste aber im Bett des Paares schlafen und fast die ganze Nacht erzählen. Zeitig in der Früh nahm uns ein Pfarrer mit.

Wir hatten es geschafft! Wir liessen uns verwöhnen. Ich hatte 11 kg abgenommen!

Die Reise hat uns zusammengeschweißt. Wie Jahre eines Lebens komprimiert auf wenige Wochen!

Zwei Jahre darauf haben wir geheiratet. Jetzt im Alter erzählen wir stolz unseren Enkelkindern davon.

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