Eine Reise mit Glück 2

Es muss ein "Autostopper-Glück" geben. Immer, wenn man tief unten ist, deprimiert von Hunger und Müdigkeit, wird man geheimnisvoll wieder aufgerichtet. Nach der Verteibung aus dem Park trafen wir auf eine Gruppe junger Menschen, die in einem Gastgarten feierten. Sie luden uns ein. Masskrüge kreisten von Mund zu Mund und bald zeigte das Bier seine Wirkung, da wir ja nichts gegessen hatten. Stark angeheitert verkrochen wir uns in einem nahen Rohbau und verbrachten eine aufregende Nacht miteinander, unsere erste Nacht allein in Deutschland! Da Sonntag war, wurden wir von Arbeitern nicht gestört.

Am Morgen schüttelten wir den Zementstaub vom Schlafsack. Ein langer Fußmarsch durch die Stadt war mühsam. Es blieb kein Auto stehen. Enttäuschung und Hunger zerrten an unseren Nerven. die Erinnerung an die schöne gemeinsame Nacht verblasste. Wir waren mutlos und stritten. Endlich nahm uns ein Student in einem VW-Käfer mit. Er fuhr aber nach Hamburg. Jenny schlief am Rücksitz. Mir fiel auf, dass der Fahrer oft in Schlangenlinien fuhr und als ich ihn näher betrachtete, merkte ich, dass er immer wieder kurz einschlief. Ich redete ständig auf ihn ein, er solle doch anhalten, was er schließlich tat. "Ich war feiern, habe die ganze Nacht nicht geschlafen" gestand er. Nach kurzer Diskussion stimmte er zu, dass ich weiterfahren soll. Er kroch auf den Rücksitz, wo er sofort einschlief. Ich setzte mich ans Steuer und fuhr los. "Gedoppt" durch Würfelzucker und nach einer Tankpause schaffte ich es nach vielen Stunden bis Düsseldorf zu einer Jugendherberge am Rhein. Mit großer Mühe konnten wir den jungen Mann wecken. Er blieb dann auch über Nacht. Die Herberge war billig, aber streng nach Geschlechtern getrennt. Ich traf Jenny erst am Morgen wieder.

Unser Ziel, Marseille, wollten wir nun über Holland, wo wir hofften Arbeit zu finden, erreichen. Wir kamen aber nur schleppend weiter und es blieb uns nichts übrig, als unter einer Brücke zu nächtigen. Es war eine kalte, laute Nacht. Mutlos, müde und gereizt, wollten wir aufgeben. Ich stand auf der anderen Strassenseite mit erhobenem Daumen, Jenny stoppte Richtung Holland. Das Auto, das zuerst stehen bleibt, wollten wir nehmen, auch wenn die Reise wieder zurück gehen sollte. Klar hielt niemand bei mir, sondern beim Mädchen mit dem Minikleid. und weiter ging es nach Holland. Den letzten Weg zur Grenze mussten wir zu Fuß zurücklegen. Dort traf uns unbarmherzig das nächste Problem. Die Einreise wurde uns wegen Geldmangel verweigert. Das Argument, dass wir in Holland arbeiten wollen, wurde mit mitleidigendem Kopfschütteln abgewiesen.

Deprimierender Fußmarsch zurück zu den deutschen Zöllnern. Die waren sehr nett, aber hilflos, bis auf einen. Er nahm uns zur Seite und machte uns wieder Mut: "Ich liebe Österreich. Wartet da hinten. Ich habe bald Dienstschluss und dann bringe ich euch über die Grenze." Und so war es. Er brachte uns mit seinem Auto über die Grenze. Wir waren in Holland!

Fortsetzung folgt

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