Eine Reise verrückt 1

Der Zufall wollte es, dass mir das Mädchen, das ich erst zwei mal getroffen hatte und das mir sehr gefiel, wieder über den Weg lief. Ich nenne sie hier Jenny. Ich freute mich sehr, obwohl ich bei ihr verlegen, unsicher und nervös wurde. Aus einer gewissen Hilflosigkeit meinerseits erwuchs ein Imponiergehabe in mir. Großspurig erzählte ich ihr, dass es mich jetzt im Frühsommer fort zieht, raus aus der Stadt und hinaus in die weite Welt.

"Wo fährst du hin?" erkundigte sie sich interessiert. Ihre Neugierde zwang mich, kleinlaut zu gestehen, dass ich vorhabe "Autostopp" zu reisen mit unbekanntem Ziel. Wie ein Blitz traf mich ihre Antwort: "Ich habe gerade meine Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen und möchte auch gern verreisen. Wir können ja gemeinsam fahren." Ich konnte nicht mehr aus und so planten wir unsere gemeinsame "Autostopp-Reise". Unsere Reiselust war groß, die finanziellen Mitteln dafür sehr klein. Wir klammerten uns an die Idee, dass wir schon wo eine kurze Arbeit finden werden, um etwas Geld zu verdienen.

Zwei Wochen später standen wir an der Strasse am Stadtrand von Wien. Unser ganzes Gepäck bestand aus einem Schlafsack, 2 Regenjacken und einigen wenigen Kleidungsstücken, Tabak, einem Sackerl mit harten Brotstücken und Würfelzucker. Als erstes Ziel peilten wir Linz an, wo wir Bekannte besuchen wollten. Dann soll es in den Süden weitergehen. Das Ziel sollte Marseille sein, wo wir bei einer Freundin von Jenny unterkommen wollten. Kaum hatte Jenny ihren Daumen hochgehoben blieb schon ein Auto stehen und auf ging es nach Linz. Wir genossen die Fahrt in eine abenteuerliche Freiheit. Jenny saß vorne am Beifahrersitz, sie war ja die bessere Gesprächspartnerin, während ich mir den Platz am Rücksitz mit den Rucksäcken teilte. Autofahrer, die allein unterwegs waren, schätzten die Unterhaltung auf ihrer einsamen Fahrt. Auf einem Parkplatz, nahe bei Linz, legte der Fahrer eine Pause ein und suchte dieToilette auf. Wir aßen etwas von dem harten Brot, dazu ein Stück Zucker. Während ich eine selbst gedrehte Zigarette rauchte, sagte der Fahrer zu mir, dass er nach München fährt und wenn wir möchten, nimmt er uns mit. Freudig stimmten wir zu. Von Wien bis München an einem Tag als Autostopper! Damit können wir vor unseren Freunden angeben!

Wir wurden bis ins Zentrum gefahren. Wir waren in München und genossen das Freiheitsglück! Müde, aber zufrieden, legten wir uns in einem Park ins Gras. Wir schmiegten uns aneinander und ich genoss Jenny`s Wölbungen und Rundungen. Eine schrille Stimme durchschnitt das Wohlgefühl dieses warmen Sommerabends. Die Stimme gehörte einer älteren Frau. Sie war der Typ der selbsternannten Hüterin von öffentlichen Plätzen und ein Rrasen darf nicht betreten werden. Keinem Argument war sie zugänglich. Stur und lautstark verfolgte sie ihr Ziel , uns zu vertreiben. Ihr nicht enden wollendes Gezetter verdarb uns die Lust zu bleiben. Es war wie die Vertreibung aus einem Paradies.

Fortsetzung folgt

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