Foppen statt shoppen

Vieles, sehr vieles sogar, mag ich. Was ich aber gar nicht mag ist einkaufen gehen. Selten, aber doch, begleite ich meine Frau dabei, allerdings sehr widerwillig. Denn man kann doch seiner lieben Frau diese kleine Bitte nicht abschlagen. Meine Stimmung ist dabei meist sehr gereizt, was meine Frau mit "du bist unausstehlich" komentiert. Dafür habe ich dann wieder lange Ruhe und eine unausgesprochene Einkaufsbefreiung.

Etwas von unseren gemeinsamen Einkäufen:

Einmal noch vor und zurück und das Auto war geparkt. Wir, meine Frau und ich, standen neben dem Eingang zu einem Betrieb. Als wir ausstiegen, eilte schon ein stattlicher Mann heran und machte uns klar, dass wir uns auf Privatgrund befinden und da nicht stehen bleiben dürfen. Sein Gesicht erhellte sich aber augenblicklich, als ich ihm eröffnete, dass wir extra vom Land hergefahren sind, um hier im Geschäft einzukaufen. Es war nämlich der Chef persönlich. fast übertrieben höflich wies er uns den Weg, rief einen Angestellten, damit er unsere Wünsche entgegennehme. Wir suchten mit ihm gemeinsam in einer großen Halle nach Kupfer, Messing und Aluminium, das wir für unsere künstlerischen Arbeiten brauchten. Bald hatten wir gefunden, was wir wollten. Wir betraten das Büro des Chefs, um zu bezahlen. Als er den Betrag nannte, schluckte ich. 130.- Euro waren viel mehr als ich erwartet hatte. "Heute bekommen doch Künstler einen besonders günstigen Preis" presste ich hervor. "Wer sagt sowas? antwortete er schroff und blickte dabei argwöhnisch zu dem Angestellten, der uns bedient hatte. Der Tritt meiner Frau gegen meinen Fuß entlockte mir ein unterdrücktes "Au". "Auweia" dachte ich und mit dem Mut der Verzweiflung fuhr ich fort: "Aber das steht doch auf den Plakaten, die in der Halle hängen." Wieder ein Tritt von meiner Frau. "Welche Plakate? Und was steht da drauf?" "Na, dass Künstler heute einen großen Preisnachlass bekommen." Schon wollte er sich von seinem Bürosessel erheben und Nachschau halten. Er riskierte sogar einen Blick in die Halle hinaus. Dann begriff er, dass ich ihn nur verschaukeln wolle. Er murmelte etwas wie "sowas habe ich noch nie erlebt, eine Unverfrorenheit." Doch er erwies sich als humorvoller Geschäftsmann und sagte: "Gib her an Hunderter und verschwindt."

Draussen hat zwar meine Frau mich mit den Worten "du bist unmöglich" getadelt, doch dann mußte sie lachen.

Wir fuhren dann in ein Spielwarengeschäft, um dem Enkerl eine Kinderschaufel zu kaufen. Meine Frau ermahnte mich, dass ich mich zurückhalten und nicht als überheblicher Fachmann auftreten soll. "Am besten du sagst gar nichts bis ich die Schaufel ausgewählt und bezahlt habe!" Nach dem Bezahlen gab die Verkäuferin meiner Frau die Schaufel mit den Worten:"Geht`s so?" Da mischte ich mich ein: "Sie brauchen sie nicht einzupacken, ich esse sie gleich hier." Stille, dann von allen Seiten Gelächter.

Rabatt bekam ich keinen, aber Menschen zum lachen zu bringen, ist noch besser.

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