Hochzeitsnächte

Jahrzehnte lang war ich in der Jugendorganisation der Pfadfinder aktiv. Da gab es Zeiten, in denen wir uns "alten Bräuchen" widmeten. Einer davon betraf das Zuhause eines Brautpaares in der Hochzeitsnacht und was da getrieben wurde. Das Zimmer wurde oft mit Bechern voll Wasser oder mit Luftballons angefüllt oder das ganze Mobilar wurde zerlegt. All das gefiel mir nicht, vorallem, wenn ich mir vor Augen führte, wie unangenehm es sein muss, wenn man nach einem anstrengenden Tag müde das Chaos vorfindet.

Darauf haben wir kreative Ideen entwickelt, die lustig sein und das Brautpaar in ihrer aufregenden Nacht nicht beeinträchtigen sollen. Vieles davon haben wir verwirklicht. Von einer Aktion soll hier berichtet werden.

Der Bräutigam, einer aus unserer Gruppe und ein lebenslustiger "Excasanova", hatte Sorgen, dass in der frisch renovierten Wohnung Schaden angerichtet werden könnte und hat vorsorglich das Schloss getauscht und nur er hatte den neuen Schlüssel. Für uns kein Hindernis. Wir haben uns schon Wochen vorher bei ihm "zufällig" getroffen für die Hochzeitsplanung und bei dieser Gelegenheit machten wir unbemerkt einen Abdruck vom neuen Schlüssel, um ihn nachzumachen.

Während die Hochzeitsgäste feierten, wurden wir abwechselnd aktiv, damit unser Fehlen nicht bemerkt werden soll. Wir tauschten in der Wohnung alle Glühbirnen gegen rote aus und haben in allen aufgehängten Bildern Fotos von nackten Frauen und Männern angebracht. Auch eine alte, idente Wohnungstür haben wir aufgetrieben und gegen die neue getauscht. Wir haben sie "bemalt" und dazu ein paar alte Äxte hinein geschlagen. In den Videorecorder, den unser Techniker von außen steuern konnte, legten wir einen Sexfilm. Dann deckten wir den Tisch mit Sekt, kleinem Imbiss, Kuchen und ließen die Wohnung sauber zurück. Als gegen 2.00 Uhr in der Früh das Brautpaar mit einigen Gästen erschien, lagen wir versteckt auf der Lauer. Wir konnten von aussen alles beobachten, da die Wohnung im Parterre lag. Den Bräutigam traf fast der Schlag, als er die Tür sah. Doch bald folgte lautes Lachen als sie überall rotes Licht und die Bilder wahrnahmen. Dazu erklang laut das Lied "Je taime". Als die Gruppe das Wohnzimmer betrat flammte im Fernseher wie von Geisterhand der Sexfilm auf. Der Bräutigamvater war besonders gefesselt davon und blieb fasziniert vor dem Gerät stehen. Da schaltete unser Spezialist den Film aus, worauf der Mann am Gerät herumhantierte, sogar darauf einschlug, damit es wieder funktioniere. Kurz wurde wieder eingeschaltet und kaum erfeuten sie sich daran, war das Bild wieder weg. Das haben wir mehrmals wiederholt. Plötzlich ertönte eine Polizeisirene und ein Auto raste mit Blaulicht heran. Über Megaphon wurden die Besucher aufgefordert aus der Wohnung zu kommen und sie wurden dann von unseren verkleideten Polizisten wegen " pornografischer Aktivitäten" verhaftet. Dem Schrecken folgte bald die Aufklärung und alles endete in einer frohen Nachfeier.

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