Reise und Glück 3

Auf de Suche nach einem Nachtlager fand ich an einem Binnensee zwei Enteneier. Der Abenteurer in mit erwachte. Bald hatte ich eine leere Blechdose gefunden, ein Feuer angezündet und schon kochten die Eier im Wasser. Mit dem Aufschlagen der Eier zerplatzte der Traum vom Essen. Es war nur eine stinkende Brühe drinnen. Wir suchten eine Kirche, um vielleicht Unterschlupf zu finden. Wir gingen vorbei an Häusern, endlos langen Reihen von Häusern. Alle hatten große Fenster ohne Vorhänge. Wir sahen drin Menschen sitzen, wie in einer Auslage, Menschen die aßen und tranken. Wir hatten sowas noch nie gesehen. Unter anderen Umständen hätte uns das amüsiert. Aber an diesem Tag war es wie eine Folter. Wir hatten Hunger. Die letzten Brotstücke und der Würfelzucker waren aufgebraucht und dann fing es noch zu regnen an. Wir suchten Schutz bei einer überdachten Bushaltestelle.

Unsere Stimmung war trostlos und grau wie der Himmel, als eine kleine ältere Frau auftauchte und uns ansprach. "Woher kommt ihr? Was macht ihr hier?" und dann folgte ein Satz, den wir nicht mehr vergessen haben: "Wollt ihr eine Tass` Coffie?" Hat und da jemand einen rettenden Engel geschickt? Wir nickten freudig und folgten der Frau in ein kleines, aber schönes Haus. Vergessen waren Kälte und Regen. Wir bekamen reichlich zu essen und erfuhren, dass ihr Mann Kapitän und oft Monate lang auf See ist. Die Frau freute sich wie ein Kind über die Gesellschaft junger Menschen, die ihr so überraschend begegnet waren. Wir durften über Nacht bleiben. Aber da wir nicht verheiratet waren, achtete die Frau streng darauf, dass wir getrennt schlafen müssen. Jenny in einem Zimmer, ich auf der anderen Seite des Hauses in einer kleinen Kammer. Sie schlief im Wohnzimmer, damit sie "aufpassen" konnte.

Am Tag zeigte uns die gute Frau Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir durften noch eine Nacht bleiben, da am Abend ihr Schwager zu Besuch kommen soll, seine Frau lag im Krankenhaus. Wir aßen, tranken und tanzten bis tief in die Nacht gemeinsam mit den beiden Menschen, die wir kaum kannten. Müde, zufrieden, beschwipst und fröhlich waren wir alle, als es Zeit war, ins Bett zu gehen. Sehnsüchtig blickte ich Jenny nach, als sie meinen Blicken entschwand. Kaum lag ich im Bett, klopfte es an der Tür, die dann einen Spalt geöffnet wurde und die Gastgeberin flüsterte: "Willst du gehen zu deinem Liebchen?" Es war kein Traum. Ich sprang aus dem Bett und lief, angetrieben von Herzklopfen und Erregung, zu Jenny. Weg waren die erlebten Strapazen und Entbehrungen, ausgelöscht durch die folgenden Stunden, Stunden, wie man sie nicht jeden Tag erlebt. Für den plötzlichen Gesinnungswandel der Gastgeberin gab es eine Erklärung: In dieser Nacht brauchte die gute Frau einen Platz für sich und ihren Schwager. Ein kleiner Seitensprung, wir konnten das gut verstehen, hat uns diese lustvolle Überraschungsnacht beschert.

Fortsetzung folgt

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