Haus in Rom

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Haus in Rom | story.one

Nur

Nur ein

Nur ein Euro

Nur ein Euro für

Nur ein Euro für jedes

Nur ein Euro für jedes gehörte

Nur ein Euro für jedes gehörte "Mama"!

...und ich könnte mir mein schon so lange gewünschtes Haus in Rom kaufen.

Allerdings müsste ich in meiner Lebensphase alle 3 Kinder in mein Haus in Rom mitnehmen. Und eigentlich war es als kleines, feines Häuschen in der Nähe des Vatikan gedacht. Richtung Park am Hügel namens Gianicolo, mit atemberaubendem Ausblick über die Stadt. Vielleicht aber auch nur eine kleine Wohnung mit Blick ins Grüne und mit Blick auf den Petersdom. Im ersten Stock, mit kleiner Wendeltreppe nach oben. 1 Zimmer, ein Bad, eine Küche. Vielleicht 50m² aber mit unbezahlbarer Aussicht.

Ich würde aufwachen, genau wenn ich bereit bin und nicht wenn jemand nach mir ruft. Ins Bad gehen, mich in Ruhe frisch machen, solange brauchen wie ich will. Mir inzwischen Tee aufkochen und Hafer-Porridge mit frischem Obst vom Markt, das ich am Tag davor gekauft habe. Ich würde mich auf die breite Fensterbank setzten, dort frühstücken und einfach nur nach draußen blicken. Mir überlegen, was ich heute machen möchte und mir die warme, römische Luft um die Nase wehen lassen. Und dann würde ich fröhlich pfeifend die kleinen, romantischen Kopfsteinpflaster Gassen entlang hopsen.

Für kurz würde ich mir das manchmal wünschen. Aber nur für kurz. Denn spätestens nach dem "Hopsen" würde ich die kleinen Finger des Babys auf meiner Schulter vermissen, wenn ich es trage. Die wilden Küsse und Überlegungen meiner mittleren Tochter und das zahnlose Lachen meines großen Kindes. Ich würde mir wünschen dass ich mit ihnen zusammen hopsen kann. Zur Pizzeria "Dar Poeta" in Trastevere.

Es würde ein bisschen an Leichtigkeit einbüßen, das Singel-Häuschen in Rom, wenn es mit Kindergeschrei und Lachen gefüllt wäre. Ich müsste meine Vorstellung ein wenig verbessern. Um 1-2 Schlafzimmer, einen Wäsche-Raum, ein Spielzimmer.

Für das alles bräuchte man allerdings wieder mehr Euro als für eine kleine, sportliche Wohnung. Für das Mehr an Geld müsste ich mir aber auch noch viel viel öfter „Mama“-Rufe anhören, wenn ich einen Euro für jedes bekäme.

Ich glaube, ich will doch nicht bezahlt werden für jeden Ruf nach mir. Das Haus in Rom, wird sich schon auch so irgendwann ausgehen.

Ich hab halt mal einen Dauerauftrag von meinem Konto zu meinem Sparbuch gemacht, der heißt „Haus in Rom“.

Bis dahin, bin ich ganz froh, dass ich "Mama" gratis und unbezahlt höre und sich manche Wünsche und Träume erst dann verwirklichen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

© Magdalena Lenz-Spari 23.06.2019