Habt Acht!

Diese Erzählung handelt von meiner bereits verstorbene Großmutter Kathi S., sie lebte 94 Jahre in der kleinen Stadt Oberndorf b. Salzburg, in der sie auch bis zum Ende ihres Daseins ein unbeschwertes Leben hat führen können.

Ich schreibe, dass sie erst am Ende ihres Lebens ein unbeschwertes Dasein haben konnte, weil die Zeiten nicht immer einfach waren. Besonders unter Hunger oder der Angst, dass jeder Zeit der Hof von einer Bombe getroffen oder von Soldaten belagert wird, hat sie oft gelitten. Dennoch hat sie mir in unseren Gesprächen immer von ein paar wunderschönen Momenten erzählt, die sie nie missen möchte. Jedoch überwogen leider die schrecklichen Erfahrungen, die der Krieg mit sich brachte. Von einem dieser einprägenden Ereignisse werde ich euch jetzt erzählen.

Es ereignete sich am Anfang des Jahres 1944, als im 2.Weltkrieg die ersten Fliegerangriffe auf Salzburg geflogen worden waren. Als meine Uroma mit ihrem Vater auf dem Feld arbeitete, vernahm ihr Vater plötzlich bedrohliche Geräusche. Er sagte zu meiner Großmutter, sie solle ins Haus laufen. Doch Kathi S. war so geschockt von den plötzlich auftauchenden Fliegern, dass sie nicht rennen geschweige denn verstecken konnte und so stocksteif stehenblieb. Ihr Vater jedoch reagierte, und rannte mit ihr, so schnell es ging, in den nahegelegenen Wald, um sich verstecken zu können. Die beste Entscheidung, die er wahrscheinlich in seinem Leben getroffen hatte, denn kurze Zeit später explodierte die Bombe auf dem Feld, auf dem die Beiden zuvor noch gearbeitet hatten. Meine Uroma erzählte mir, dass ihr Vater und sie durch den heftigen Aufprall der Fliegerbombe ein paar Meter weiter in den Wald geschleudert wurden, und dadurch brach die Schulter ihres Vaters, an ihr blieb aber alles heil und sie beklagte sich nie wegen irgendwelcher Schmerzen, auch nicht im hohen Alter. Doch wie es das Schicksal so wollte, wurde ihr Vater nie wieder ganz gesund, und konnte so nie wieder die zerbombte Garage reparieren. Für diese schwere und auch gefährliche Arbeit mussten jetzt meine Großmutter und ihre Geschwister herhalten.

Früher, als es noch keine Maschinen oder technische Hilfsmittel gab, mussten auch die Kleinsten mithelfen, egal ob sie unter Hunger litten. Ich bin froh, dass bei uns in Mitteleuropa nicht mehr solche Bedingungen herrschen. Aber unsere Großeltern haben trotzdem auch schöne Erfahrungen gemacht, daraus kann man den Schluss ziehen, dass das Leben auch schön war, als die Menschen noch nicht so viel hatten.

© MaggyS