Avoriaz 1984

  • 84

Schon die Anreise war ein Horror - jede Menge Gepäck und die aufgeregten Kinder und erst die Eltern dazu. Hätte ich vorher gewußt was auf mich zukommt, ...

Aufbruch früh morgens in Paris. Vater Remi, Mutter Yolande, zwei Kinder Baptiste und Mandalay und das jeune fille aupair, also ich. Mit dem Taxi zum Flughafen Charles de Gaulle, Flug nach Lyon, Mietauto abholen und dann gut 200 km nach Morzine. Es war ein schneereicher Winter in diesem Jahr 1984 und so brachte uns die Seilbahn hinauf ins Schidorf Avoriaz, wo an der Bergstation ein Pferdeschlitten auf uns wartete und uns zur Ferienwohnung brachte. Die Wohnung im 7. Stock, ein Lift war Gott sei Dank vorhanden.

Als endlich die ganze Familie und alle Gepäcksstücke in der Wohnung waren, begann es zu dämmern und eigentlich war ich hundemüde. Ich wußte aber, dass noch ein ganzes Stück Arbeit auf mich wartete.

Zu allererst schickte Yolande mich einkaufen für das Abendessen, ein Baguette, Salat, Nudeln, Tomatensauce, Käse und Wein. Das mußte fürs erste reichen, aber wo war dieser verdammte Supermarkt. Nach einer Weile fand ich den Markt und natürlich lange Schlangen an den Kassen. Es war stockdunkel als ich wieder in der Ferienwohnung ankam.

Nun schnell die Koffer der Kinder auspacken und dann ab in die Küche. Ich war heilfroh, dass Yolande sich für ein einfaches Abendmahl entschieden hatte und so konnte ich die Familie schon nach kurzer Zeit zu Tisch bitten. Während sie aßen, machte ich die Betten für sie und bereitete das Bad für die Kinder vor. Ich war hungrig und so ging ich zurück in die Küche, wo die Familie noch vergnügt um den Tisch saß. Mehr als die kümmerlichen Reste des Abendmahles waren nicht übrig. Aber ich hatte vorgesorgt und mir in Paris noch eine kleine Jause gerichtet, die jetzt in meinem Koffer auf mich wartete - wo war der überhaupt ?

Kinder baden und fertig machen für die Nacht. Dann erst zog sich die Familie in ihre Schlafgemächer zurück und überließ mich der Küche, die ja noch aufgeräumt werden wollte.

Es war schon ruhig in den Schlafzimmern, als ich endlich das mir zugedachte Kabuff betrat. Als Zimmer konnte man das wahrlich nicht bezeichnen. 4 qm, kein Fenster, ein Bett, ein Stuhl und eine Stellage anstelle eines Kastens.

22 Uhr. Ich bezog mein Bett, packte meinen Koffer aus, stellte den Wecker auf 6 Uhr und warf mich aufs Bett. Mein Imbiß und ein Glas Wasser standen auf dem Stuhl, der mir als Tisch diente. Der Appetit war mir vergangen.

Meine letzten Gedanken dieses langen Tages drehten sich im Kreis:

"Der nächste Tag wird nicht viel besser. Morgens einkaufen gehen, Frühstück herrichten und Küche aufräumen. Die Schiausrüstung im Verleih abholen, die Kinder zum Schikurs bringen. Mittagessen vorbereiten .... von 14 - 16 Uhr meine frei Zeit zum Schifahren ....

...und dann kommen auch noch die Freunde von Yolande, ebenfalls mit 2 Kindern und werden das Zimmer am Ende des Ganges beziehen. Sie werden 4 Tage bleiben ...."

© Malu