Perche il piove tanto?

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Wir verbringen den Urlaub in den Colli Metalliferi in Campiglia Marittima, nicht weit vom Golf von Baratti und der etruskischen Stadt Populonia. Eine schöne Gegend, abgesehen vom italienischen Gigantismus im Bau von Autobahnzubringern, die sich wie riesige Betonwürmer durch das Tal zwischen den Hügeln und dem Meer hin und her winden.

Bis jetzt hatten wir Glück mit dem Wetter - blauer Himmel, weiße Wolken, das Meer von einem etwas dreckigen Türkis und stürmisch.

Heute morgen hat uns das Wetterglück verlassen. Der Blick aus dem Fenster verspricht einen trüben Tag mit tief hängenden Wolken, sehr tief , gleich über dem Pool wachsen die Wolken in den Himmel. Naja, erst einmal Frühstück und dann bleibt immer noch ein gutes Buch. Man ist ja schließlich auf Urlaub.

Am Nachmittag lichten sich die Wolken, die Sonne bricht durch, so wie unsere Unternehmungslust. Wir fahren ins nahe gelegene Suverto. Ein kleines Städtchen auf einer Anhöhe über dem Corniatal, umgeben von Wald, Kastanien, Korkeichen. Kaum da, ziehen auch schon wieder Regenwolken auf. Auch gut, dann besichtigen wir gleich die romanische Kirche San Giusto mit ihrer 1000jährigen Geschichte. Sehenswert! In der Hoffnung auf Sonne treten wir durch das Tor, wo sich ein Geistlicher im Torbogen unterstellt. Ich komme ins Gespräch mit ihm und er versichert, dass die Sonne gleich wieder kommen wird. So war es auch.

Wir spazieren durch, das mittelalterliche Städtchen und steigen hinauf zur der mittelalterlichen Burg der Aldobrandeschi und genießen den weiten Blick übers Tal bis hinaus zum Meer und ins Hinterland. Dort in den Bergen entdecken wir eine weiß leuchtende Stadt. Massa Marittima ! Da fahren wir hin.

Die Straße führt durch den Wald von Montioni hinüber in die Maremma, wir fahren schnurgerade auf die weiße Stadt am Berg zu. Es ist nicht weit und wenn die Straße zu steigen anfängt, ist man auch schon bei den ersten Parkplätzen. Wir stellen das Auto ab und steigen hinauf in die vom Dom San Cerbone beherrschte Stadt. Wir treiben uns durch Gassen, über Plätze und genießen den italienischen Flair.

Plötzlich Wind. Während wir uns noch wundern, ist der Sturm schon da. Wir können uns gerade noch unter die Arkaden des Cafés Le Logge retten. Es hagelt. Sonnenschirme, Stühle, Tische, Blumentröge, alles fliegt. Die Hagelkörner, golfballgroß, schlagen hart auf. Nach wenigen Minuten prasselt der Regen, wie aus Kübeln.

In den Arkaden sind nun schon einige Schutzsuchende, teilweise ziemlich durchnässt. Darunter ein kleiner, braungelockter Junge, der auf uns zu kommt, meinen Mann am Hemd zieht und frägt: "Perche il piove tanto?"

Ich erkläre dem Jungen, dass wir aus Österreich kommen und mein Mann kein Italienisch versteht. Minutenlang steht er da mit aufgerissenem Mund und großen Kulleraugen. Dann macht er plötzlich auf den Fersen kehrt und läuft zu einem in der Nähe stehenden Mann: "Babbo! Questi lá vengono d'Australia!"

Das hat sogar mein Mann verstanden und wir mussten lachen.

© Malu