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Ab in den Süden anno 1987

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Ab in den Süden anno 1987 | story.one

Sommer 1987. Kurz entschlossen fahren wir nach Italien. Zwei Burschen Mani + Hati, zwei Mädels Helene + ich, ein roter Ford Escort, zwei Surfbretter, zwei Zelte. Sorglos machen wir uns am späten Vormittag auf den Weg, gleich am Chiemsee stehen wir schon im Stau. Durch Tirol geht's gut, der Brenner ist zäh und dann fährt Mani was das Zeug hält bis Modena. Dort verlassen wir die Autobahn und schicken uns an den Appenin auf der Bundesstrasse zu überqueren. Die Gegend ist einsam und es beschleicht uns das ungute Gefühl, dass falls der schon etwas in die Jahre gekommene Escort streiken sollte, wir in dieser Einöde völlig der Natur ausgesetzt wären. Kein Telefon, weit und breit.

Endlosen Kehren ziehen sich die SS12 hinauf hoch in die Berge. Kurz nach der Provinzgrenze Emiglia-Romagna/Toskana passieren wir Abetone, es ist bereits dunkel. Dennoch, die 40 km bis Bagni di Lucca schaffen wir auch noch. Bei Ankunft hängt uns der Magen in den Kniekehlen. In einer kleinen Trattoria wird uns geholfen - Pizza, Pasta, Vino - und von letzterem nicht zu wenig.

Es ist bereits Mitternacht als wir das erste Mal über ein Nachtlager nachdenken. Mani grinst in der ihm eigenen Art und meint: "Wo ist das Problem? Wir haben Zelte!" Ja genau, Zelt aufbauen im der stockdunklen Nacht! Aber was bleibt uns anderes übrig ? Und so machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unsere Zelte und landen schließlich am Ufer des Flüsschen Serchio ausserhalb der Stadt. Naja, zumindest sind wir hier alleine. Im Licht der Scheinwerfer bauen wir rasch die Zelte auf, Isoliermatten, Schlafsäcke und Polster, schon ist unsere Liegestatt fertig. Scheinwerfer aus, Taschenlampen an, und nun ?

Hati sitzt auf der Motorhaube und zieht genüßlich an einer Zigarette, die Glut leuchtet rot in die Finsternis. Er sagt: "Gib mir mal meinen Rucksack her! Nein - den kleinen!" Er grinst und zaubert eine Flasche Rotwein hervor, die hat er dem Wirt der Trattoria abgeluchselt. Auch gut, ein Gute-Nacht-Achterl brauchen wir Mädels auch, die Burschen erzählen uns von allen möglichen nachtaktiven Tieren, die sich so an Flußufern herumtreiben. Weinselig ziehen wir uns in die Zelte zurück, natürlich alle Zeltöffnungen fest verschlossen.

Ein eigenartiges Geräusch weckt mich"Pfitsch - Pfitsch - Pfitsch!" imm wieder. Ich stecke meinen Kopf aus dem Zelt. Gott sei Dank ! Es ist nur ein Fliegenfischer, der knietief im Wasser steht. Wie spät ist es eigentlich ? Halb zehn. Höchste Zeit. Wir wollen ja noch weiter in den Süden heute.

Mein Gott, wo haben wir den da gezeltet, bei Tageslicht betrachtet würde hier nie ein Zelt aufstellen. Genau genommen sieht es aus wie in einer Müllhalde, nichts wie weg hier. Zähne putzen, Zelte abbauen und ab geht die Post.

Ein paar Kilometer weiter, an der Bogenbrücke "Ponte della Maddalena" entdecken wir am anderen Flußufer die Osteria del Diavolo. Wir müssen zu Fuß über Brücke, um endlich zu einem Capuccino zu kommen (und zu einer Waschgelegenheit in den Toiletten).

© MaLu 04.03.2020

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