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Am Natisone

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Am Natisone | story.one

Letzte große Fahrt für unseren alten Geländewagen, er ist im 17. Jahr bei uns und wird doch schon etwas schwerfällig. Das Ziel ist Friaul. Wir haben nichts gebucht, fahren einfach aufs Geratewohl.

Am späten Vormittag erreichen wir Cividale del Friuli. Das Städtchen strahlt im Sonnenschein. Es ist Markttag. Laut und geschäftig. Erstmal einen Cappuccino. Ankommen. Wir schlendern über den Markt. An einem Stand mit Handtaschen (!) bleibe ich stehen, sofort steht der Verkäufer neben mir "Occasione! 10 Euro". Ich bedanke mich für das Angebot und schüttle den Kopf. Ein Blick in die Augen meines Mannes verrät mir seine Gedanken in Bezug auf Handtaschen ;-).

Es ist schon Nachmittag und wir haben noch kein Bett für die kommende Nacht, also klappern wir Hotels und Pensionen ab. Leider ist für uns nicht dabei, entweder voll oder zu teuer. Wir fällen die Entscheidung diese eine Nacht im Auto zu schlafen und machen uns auch gleich auf die Suche nach einem geeigneten Standplatz. Schnell wurden wir fündig, am Stadtrand führt eine strada bianca (staubige Schotterpiste) hinunter zum Fluß Natisone. Hier ist es schön, Weiden säumen den Fluß, eine kleine Wiese fällt leicht ab zur Schotterbank - das ist unser Platz. Das Auto stellen wir unter den Bäumen ab und machen uns nochmals zu Fuß auf in die Stadt, um für unser Abendessen zu sorgen.

Zurück am Fluß bereite ich uns die "Tafel" zu ebener Erde. Auf der Picknickdecke auf der Wiese verteile einige Polster. In der Mitte der Decke auf einem Geschirrtuch decke ich ein, Brettchen und Taschenmesser, Gläser und Servietten, Salz und Pfefferstreuer und Citronella-Windlichter - hier gibt es sicher jede Menge Gelsen. So jetzt fehlt nur noch die Wolldecke, es könnte doch frisch werden hier am Wasser.

Ein Stückchen weiter unten stehen Fliegenfischer hüfttief im Wasser, das Surren der durch die Luft fliegenden Angelleinen begleitet das Rauschen des Flusses, darüber in den Bäumen singen die Vögel ihr Abendlied. Wir lassen uns nieder und genießen in der warmen Abendsonne unser bescheidenes Mahl - Schinken und Salami, Käse und Brot, Oliven und Melonen und dazu guten Refosco aus der Gegend. Als Nachspeise gibt es ein paar von diesen kleinen Törtchen mit Creme und Obst oder Schokolade, von denen man nicht genug kriegen kann. Dermaßen gesättigt räkeln wir uns zwischen den Polstern und genießen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen.

Als die Sonne glutrot hinter der Teufelsbrücke versinkt und die Fliegenfischer aus dem Wasser steigen, entzünde ich die Kerzen. Langsam wird es dunkel, die Nacht bricht an. Noch immer liegen wir auf der Decke im Gras, mittlerweile zusammengekuschelt unter der Wolldecke und schauen in den Sternenhimmel - da eine Sternschnuppe! Erst spät klettern wir ins Auto und in unsere Schlafsäcke.

Am Morgen erwache ich in dem Gefühl beobachtet zu werden. Ich öffne meine Augen und blicke in zwei, mir fremde Augen. Ein Passant mit Hund schaut neugierig durchs Fenster in den Wagen.....

© MaLu 10.02.2020

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