Achso deshalb...

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Achso deshalb... | story.one

„Kann da nix machen… tut mir leid… Wollte das jetzt nicht vor den anderen ansprechen…“ Dahingestammelt von einem älteren Herren, der die Fahrschule leitete. Zur Amtsärztin sollte ich. Was genau mich da erwarte, habe ich nicht verstanden. Damals waren die Töne meines Lebens meist nur die imaginär abgespielten Lieder in meinem Kopf. Traurig waren sie.

Ich folgte dem Murmeln und Brummen ihrer Stimme so wie ich das immer tat. Hin und wieder durchschien ein „So“ oder ein „Ok“ den Nebel ihrer Sprache. Es waren noch einige Jahre hin zu den modernen Hörhilfen.

Als Schwerhöriger lernte ich, dass die einfachste Flucht aus unangenehmen Gesprächssituationen ein Lächeln mit einem Nicken war. Wenn die Augen fragend blickten, war ein zusätzliches „Ja“ oft hilfreich. Unterlegt mit der Hoffnung, dass es eben doch keine Frage war, die mehr als ein „Ja“ als Antwort erforderte. Die verdutzten Gesichter mit den halboffenen Mündern und gerunzelten Stirnen kenne ich gut. Diesmal hatte es aber gereicht: Sie deutete zufrieden auf eine T-förmige Linie auf dem Boden.

Ich platzierte mich darauf. Die Linie zog sich zu ihrem Schreibtisch. Wieder das Murmeln und Brummen ihrer Stimme. Für sorgfältiges Abwägen meiner nächsten Handlung war keine Zeit. Aber was sollte sie schon von mir wollen? Ich hatte mal gelesen, dass der Gleichgewichtssinn im Gehör liegt, und es ging doch um den Autoführerschein. Also spulte ich wieder das Nicken und das „Ja“ ab und spazierte konzentriert die Linie entlang, darauf achtend, dass meine Füße mittig auf dem Strich blieben.

Erleichtert nahm ich ihr Abwinken zur Kenntnis. „Also, wenn Sie mich aus der Entfernung verstehen, brauchen Sie keinen befristeten Führerschein.“ Dem abschließenden Nicken und den langgezogenen Mundwinkeln entnahm ich, dass wir fertig waren und ich ging wieder. Achso deshalb…

© Malum 11.06.2019