Klimawandel

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Klimawandel | story.one

In einem der in Schlange stehenden Supermärkte rammte die Angestellte die verpackten Äpfel ins Regal wie ein ungestümes Kleinkind mit Bausätzen spielt. Ich fühlte mich wertgeschätzt. Trotzdem schlenderte ich ohne Kommentar am Obstmassaker vorbei, zu schlecht war meine Stimmung, zu niedrig mein Energiepegel für eine argumentgeladene Standpauke.

Am Heimweg blickte ich über die Felder, die einst noch Felder waren und deren Natur nun verschlossen und verbaut ist. Auf dem Weg fuhr ich die Kurve nach oben, die einst den Kindern des Dorfes im Winter zum Schlittenfahren diente. Nun fahren die teuren Schlitten der Erwachsenen dort um die Wette. Dreispurig, dem Schnellen schenkt das Überholen manchmal ein gutes Gefühl. Man ist schneller, besser.

Erledigt ließ ich mich dann wieder auf der Couch nieder, beobachtete die Schneeflocken und staunte über Schnee im April. Minus 5 sollen es in der Nacht gewesen sein, manche sagen minus 7. Was auch immer, viel zu kalt war es bestimmt. Alles ist hin.

Ein persönliches Tief folgte dem Wettertief.

Der Austrieb der Obstbäume hat sich in den letzten Jahrzehnten um zwei Wochen nach vorne verschoben. Späte Kaltlufteinbrüche sorgten in diesem Jahr dann für das Erfrieren der Blüten und Früchte. Aber kalt war es schon immer, sagte die Nachbarin, und warm war es auch schon immer. Dann ärgerte sie sich doch noch: Sie musste nun wieder den Wintermantel hervorkramen.

Die Wählerschaft wird indessen beglückt und belogen mit symbolischen Maßnahmen, die medial großgeblasen werden. Und wenn auch nur irgendwas im Haus, im Garten, am Pool oder im Kühlschrank geändert werden muss, dann sind gefälligst immer die Anderen schuld.

Im Herbst war dann die Ernte der wenigen Früchte, die irgendwie überlebt hatten. Froh waren wir, das Jahr hinter uns zu lassen. Wir ahnten nicht, dass das nächste kaum besser wird.

Nein, nicht schon wieder jammern, sage ich mir nun, alles wird besser. Oder?

© Malum 03.07.2019