Wo war ich?

Also ich war dort und dort und dort und dort. Begeistert könnte ich jetzt die einzelnen Gegenden mithilfe meiner zehn Finger aufzählen und euch damit langweilen. Was bei einer Reise aber bleibt sind die Erinnerungen. Und für euch könnte diese Geschichte ein kleines Rätsel sein: Wo war ich denn nun überall?

Die erste Station war etwas verdreckt und graubraun, also die Zugstation. Nicht die Stadt. Wohlgemerkt befanden wir uns damals auf einer Interrail-Reise. Wie es sich gehört pünktlich nach dem achtzehnten Geburtstag, wurden Eltern und trautes Heim für einen dreiwöchigen Trip durch Europa verabschiedet. Das Reisefeeling entstand erst etwas später, da konnte die erste Stadt auch nichts dafür. Wir richteten uns mit billigen Alkohol-Cola-Gemischen auf und schwemmten die Sorgen der Fremde erstmal weg. Tagsüber erkundeten wir die wienerisch anmutende Altstadt, brausten unsicher wegen der mit fremder Sprache beschrifteten U-Bahn-Karten durch die Erde und waren ehrlich gesagt froh, bald wieder die eigene Sprache zu hören.

Dort angekommen rauschten wir mittels Pubcrawl-Tour durchs Nachtleben und lernten erstmals auch gleichgesinnte Fernwehpatienten aus aller Welt kennen. Ein erstes Highlight zwischen all den Zugfahrten und Buchseiten. Elf Euro kostete die ganze Nacht, nach derart billigen Erinnerungen muss ich heute lange im Archiv meines Kopfes kramen. Auch in dieser Stadt gab es ein Tagsüber. Die ewige Suche nach einer Mauer fällt mir da ein. Zum Glück war es so schwer sie zu finden, denke ich grad.

Nordwärts wartete der Urlaub, Seele und Füße baumelten ein paar Tage in der ruhigen Stadt. Gemächlich führte uns ein selbsternannter „Sheriff“ zu unserer Herberge. Nicht der einzige im Herzen ruhig Gebliebene zwischen Fluss, See und Meer.

Die vierte Station versprach Erinnerungen schon im Voraus. Mit naiver Unwissenheit stürzten wir ungeduldig ins Vergnügen und erkannten schnell, wie es eigentlich ging. Eine hervorragend gute Küche, die beste Musik der Welt und die schönsten Parks sowieso wechselten sich ab… Warum eigentlich? Ich hab da so einen Verdacht. Wie auch immer: Wir verweilten in einem kleinen Wohnwagen den man umarmen konnte. Daneben war ein See, der hieß „Lucky Lake“. Wie passend.

Ein weiterer Urlaub war angebracht und den fanden wir zwischen verlassenen Weltkriegsbunkern auf einem weiten Strand am Meer. Kühler, windiger aber auch viel ruhiger wie auf den südlichen Stränden unseres Kontinents fanden wir hier einen Geheimtipp für zukünftige Urlaubsreisen.

Die letzte Station sollte dann das „grande finale“ unseres Europabummelns werden. Immer half der riesige Turm in der Mitte der Stadt uns die Orientierung zu bewahren. Von klein bebilderten übergroßen Monumenten bis groß beschworenen und doch enttäuschend kleinen Bildern war dort nun wirklich alles dabei.

Viel Spaß beim Raten! ;-)

© Malum