Achtsamkeit - das Losungswort der Zeit!

Ist es nicht so, dass wir sehr wenig brauchen, wenn wir glücklich, zufrieden sind?! Ein Buch … Papier, einen Stift zum Schreiben, Sonne, Wasser, eine Wiese, um die Seele baumeln zu lassen … Wir suchen nach Ersatzbefriedigungen, wenn ein „inneres Loch“ klafft. Dann wird geshoppt, dann werden Events konsumiert, dann wird Party gemacht.

„Wie groß ist die Zahl jener Dinge, derer ich nicht bedarf“, meinte einst der weise Sokrates. Zu seiner Zeit waren Umweltprobleme fern. Erst 1971 überstieg der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ab dem 21. Dezember 1971 lebte die Menschheit bereits zehn Tage lang „auf Pump“. Seither rückt dieser sogenannte „Welterschöpfungs“- bzw. „Weltüberlastungstag“ nach vorne. Am 29. Juli war 2019 dieser „Earth Overshoot Day“. Traurig genug, aber in Österreich ist das bereits der 9. April. Zwei Drittel des Jahres leben wir also auf Reserve. Unfassbar. Würden alle so agieren wie wir Österreicher, bräuchten wir DREI ERDEN. Wir traktieren unseren Planeten, als hätten wir einen zweiten/dritten auf Vorrat. Doch die Umwelt ist MIT-Welt. Jeder weggeworfene Tschickstummel, jede achtlos abgestellte Energy-Dose, jedes fallengelassene Plastiksackerl ist somit eine Selbst-Attacke. Wir bringen uns um …

Achtsamkeit ist das Losungswort der Zeit! – Luftholen, Innehalten, Überlegen, Reflektieren: Was passiert da gerade? Muss ich diesem Moment mit meiner Meinung, mit meinem Gestaltungs-Egoismus „drüberfahren“?! Kann ich das Hier und Jetzt nicht einfach hin-nehmen?! Mich daran gar erfreuen?!

Ist das HIER und JETZT gar schon PERFEKT, so, wie es ist?! Vielleicht bedarf es gar keines MEHR mehr. Keiner Steigerung von Glück, Einkommen, Gütern, Karriere.

Ich verwandle gerade mein „Ahnen-Haus“ in MEINES. Und trenne mich von Vielem. Schreibe jetzt in einem entrümpelten Raum – neu ausgemalt, mit neuem Parkettboden; aber mit drei alten, schönen Möbelstücken. Sie müssen nicht zum Müll; brauchen nur poliert werden. Und vor allem muss gar nichts MEHR rein – es atmet sich plötzlich so gut und frei hier.

Ist gar WENIGER MEHR?! Weniger Materielles, mehr Ideelles?! Weniger Haben, mehr SEIN?! Wenn wir diesen Planeten und damit uns alle, vor allem unsere Kinder, vor dem bereits sicher scheinenden Kollaps retten wollen, dann kann das nur funktionieren, indem wir ALLES, was wir tun, denken, anstreben, hinterfragen: Brauch‘ ich dieses, jenes Ding? Muss ich das Auto starten? Macht mich diese Reise, dieser Flug wirklich glücklicher? Kann ich meine Nahrung wert-voller machen? Regionaler? Biologisch? Fleisch- und Zuckerfrei? Mit Freude an buntem Gemüse, an Green Smoothies. An Rohkost?! An Eigen-Anbau?!

Wer je in den Armen der/des Geliebten liegen durfte, nackt in der Sonne, an einem Natur-See, inmitten von Granitfelsen und Wald, weiß: Das mitgebrachte Handtuch kann alt und ausgebleicht sein, aber die Berührung der Körper, der Herzen und Seelen, das ist es, wofür es sich zu leben lohnt.

© Manfred Greisinger