Spring - ins Leben, in die Liebe!

Sie habe „Angst um ihr Gleichgewicht“, gesteht die von Julia Roberts gespielte Autorin Elizabeth Gilbert in der durchaus charmanten Bestseller-Verfilmung ihres gleichnamigen autobiografischen Romans „Eat-pray-love“. Es ist die Angst, wieder zu lieben. Ihr Filmpartner macht ihr klar: „Du läufst vor mir weg – Du läufst vor allen großen Möglichkeiten weg.“ Und der Guru appelliert: „Wegen Liebe das Gleichgewicht zu verlieren, ist Teil des ausgeglichenen Lebens im Gleichgewicht.“

Schöner Schlüsselsatz! Ganz nach dem Motto: Nur wer sich selbst verliert, findet sich ganz.

Nur wer wagt, gewinnt. Im Beruf, im Flirt, in der Liebe. Nur wer mutig genug ist, ins Nichts zu springen, wird dem Leben sein tiefstes Geheimnis entlocken können.

In der Realität verwendet hingegen die große Mehrheit der Menschen ihre Zeit und Energie dafür, sich gegen alles Denkbare abzusichern. Risiko-Vermeidung, wo´s geht, lautet die Devise.

Das Ungeplante, so reizvoll es sich gestalten könnte, macht doch vor allem eines: Panik! Wir wollen Sicherheit, Stabilität. Vorhersehbarkeit. Wie wird das Meeting morgen ablaufen? Welches Detail haben wir noch nicht vorbesprochen?!

Wer vermag sich wirklich in den Fluss des Lebens, in eine sich entwickelnde Liebe einzulassen? – Jeder Morgen ist eine Neugeburt. Und wir könnten uns mal zurücknehmen, um dem Fluss seine Mission zu lassen. – Was hast Du vor mit mir, schöner Tag? Ich vertraue Dir, was immer Deine Geschenke heute an mich sind, ich will sie demütig dankbar annehmen …

Es ist wohl eine gewaltige Herausforderung, wenn die Macher/-innen sich zügeln, der Mitwelt mal NICHT ihre Stempel aufzudrücken. Nein, ich führe mal NICHT Regie. Ich muss nicht alles besser wissen. Ich füge mich bewusst und achtsam in den Seins-Prozess ein.

Und Leben ist nun mal unberechenbar, ja „lebensgefährlich“. Wir wissen nicht im Entferntesten, was der morgige Tag für uns bringen mag. Das mag Angst hervorrufen oder gelassene Zuversicht …

Auf die Frage, was sie jüngeren Menschen als Lebensrat mitgeben möchte, antwortet die 94-jährige, rüstige Helga mit einem einzigen Wort: „Zufriedenheit!“ – Sie vertraue darauf, dass das Leben es gut mir ihr meine; und das habe sich nun schon so viele Jahrzehnte bewahrheitet; sie habe so viel Glück gehabt.

Zufriedenheit ist die Kunst der positiven Perspektive. Auch den Glücklichen widerfahren grausame Lebenswendungen; aber die Glücksbegabten können auch einer „Umleitung“ den Zugewinn neuer Ortskenntnisse abgewinnen.

Glücks- und Liebesmutige können sich in JEDWEDE Situation mit großem Vorschussvertrauen einlassen. Sie haben keinerlei Sorge, ihr Gleichgewicht zu verlieren. Vielmehr wissen sie um das Wesen jeder Fortbewegung: Gewichtsverlagerung von einem Bein auf´s andere; das heißt: ständige Un-Gleichgewichts-Momente auszubalancieren …

Nur auf der Couch liegend, ist´s relativ stabil.

Aber will wer wirklich eine solche risikolose Liebe? Ein solch klar austariertes Leben?

© Manfred Greisinger